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BOLD THE MAGAZINE 01 2012

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LEIDENSCHAFT

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12 | BOLD THE MAGAZINE Einstieg | Leidenschaft LEIDENSCHAFT Tugend oder Sünde Autor: H. G. Teiner Leidenschaft wird als eine das Gemüt ergreifende Emotion beschrieben, die Formen der Liebe und des Hasses beinhaltet, aber auch für religiösen, moralischen oder politischen Enthusiasmus benutzt wird. Leidenschaft beschreibt die intensive Verfolgung von Zielen. Im ursprünglichen Wortsinn schwingt der Beilaut von etwas Zerstörerischem mit – das Leiden Schaffende, der allerdings im heutigen Alltagssprachgebrauch eher verdrängt wird und der Leidenschaft eine eher positive Konnotation gibt. vergesellschaftete Leidenschaft Leidenschaft wird heute gern und häufig auf eines reduziert: Ungehemmte, tabulose Lust im Bereich der sexuellen Fantasie. Gerade tauchte der Absender „Playboy Viagra“ in meinem E-Mail-Spam- Ordner auf. Betreff: „Leidenschaft im Bett“. Also wohl ein Thema, auf das viele anspringen sollten. Leidenschaft wird reduziert auf „guten“ Sex und die sexuelle Ekstase. Lassen Sie an dieser Stelle Ihren Vorstellungen freien Lauf: Vom Blümchensex bis zum Hardcoresex, was sind Ihre Fanta- Foto: Kampagne, Papis Loveday Fragrance sien, was turnt Sie an, was tun Sie und wann und mit wem? Was ist der erotische Kick in Ihrem Kopf? Von der Nichtdoch-Verweigerung bis zur Du-willstes-doch-auch-Dominanz. Zur Anregung sei das Kamasutra empfohlen: Diese Verse des Verlangens wurden vermutlich zwischen 200 und 300 n. Chr. von Vatsyayana Mallanaga geschrieben und sind heute als einer der einflussreichsten Texte der Weltkulturgeschichte zum Thema der erotischen Liebe anerkannt. Sie bieten eine detaillierte Anleitung der altindischen Liebeskunst, eine ganzheitliche Sichtweise des Themas, die sexu- elle Freude mit einem entspannten Geist verbindet. Die neue Kultserie zum Thema Drama, Liebe, Sex und Leidenschaft heißt nach „Sex and the City“: „Aus Lust und Leidenschaft“. Sie stammt aus England (Original: „Mistresses“) und zeigt vier Freundinnen zwischen Sex-Abenteuern, dramatischen Liebesverwicklungen, der ganz großen Liebe – immer auf der ewigen Suche nach Mr. Right. Und dies in jedem Fall erotischer, komplexer, tiefgründiger und glaubwürdiger als im US-Vorläufer. LEIDENSCHAFT UND LIEBE Das Feuer der Leidenschaft, wird genährt durch die Fantasie unseres Geistes. Die wohl berühmteste Liebesgeschichte der Welt steht für pure Leidenschaft: Shakespeares um 1600 entstandenes, berührendes Drama „Romeo und Julia“ erzählt von einem Paar, das durch seine bedingungslose Liebe den tiefen Hass ihrer Familien zu bezwingen versucht: Romeo, aus dem Geschlecht der Montagues, hat sich in Julia, Tochter der verfeindeten Capulets, verliebt. Die beiden lassen sich heimlich trauen, und so lehnt sich Julia

Einstieg | Leidenschaft BOLD THE MAGAZINE | 13 leidenschaftlich gegen das ihr auferlegte Familienschicksal auf. Durch eine dramatische Verkettung unglücklicher Ereignisse müssen Romeo und Julia am Ende ihre leidenschaftliche Liebe mit dem Tod bezahlen. Das ist Leidenschaft auf ihrem dramatischen Höhepunkt. VERKAUFTE LEIDENSCHAFT Im Sinne der „altbewehrten“ Marketingstrategie „Sex sells“, rückt die weiter gefasste Leidenschaft in den Mittelpunkt einer verführenden Verkaufsstrategie. Die in kurvenreiches Blech gebogenen Objekte der Begierde, der zahlreichen Autohersteller oder zum Beispiel die mit lebensmittelchemischer Finesse entstandenen Produkte der Genussmittelindustrie sollen mit mehr oder weniger offenherziger Leidenschaft aufpoliert werden: Langneses Magnum-Eis ist so eine Leidenschaft mit eindeutig erotischer Werbebotschaft: So ist das Knacken der Schokoladenhülle mit dem Bild eines erotisch leicht geöffneten Mundes zu einem der Erkennungsmerkmale von Magnum geworden. Schauspielerinnen wie Eva Longoria posierten lasziv mit der Eiscreme für den Werbespot. Nach einer Reihe ähnlicher Spots erreichte der Hersteller vor einigen Jahren, mit der limitierten Edition der „7 Todsünden“ den Höhepunkt ins Bild gesetzter sexueller Leidenschaft in Verbindung mit gespielter unmoralischer Andeutung. Auch in der Cremissimo-Werbung des selben Herstellers spielen in neuerer Zeit Liebe und Leidenschaft eine Rolle: Das Eis, nach dem Filmklassiker „Vom Winde verweht“ kreiert, wird als eine „leidenschaftliche Komposition aus Schokolade und Himbeer“ vermarktet und bestärkt werbetechnisch die Verbindung zwischen Leidenschaft und kulinarischem Genuss. „Aus Leidenschaft für Lebensmittel“ wirbt ein anderer Tiefkühlkostvertreiber um Vertrauen in seine Produkte bei seinen Franchisenehmern, ein weiteres Unternehmen der Lebensmittelindustrie sucht gerade eine Fachkraft für Lebensmitteltechnik mit dem Untertitel „Kochen aus Leidenschaft“, in der Arbeitsplatzbeschreibung steht zur näheren Erklärung: „Kochen der Gerichte nach vorliegenden Rezepturen“. VERSTAND UND LEIDENSCHAFT Die Leidenschaften werden in der Geschichte der Philosophie als Gegenspieler der Vernunft gesehen. Dieser dialektische Ansatz liefert so eine Grundlage zur weiteren Erkenntnis des Wesens der Leidenschaft „an sich“. Khalil Gibran umschreibt dies in „Der Prophet“ so: „Denn die Vernunft ist, wenn sie allein waltet, eine einengende Kraft, und unbewacht ist die Leidenschaft eine Flamme, die bis zur Selbstzerstörung brennt.“ Also ist die Mitte das Ziel. Johann Wolfgang von Goethe schreibt in „Die Wahlverwandtschaften“: „Die Leidenschaften sind Mängel oder Tugenden, nur gesteigerte.“ Der indische Religionsphilosoph Jiddu Krishnamurti definiert in „Über die Liebe“ den Unterschied von Liebe und Leidenschaft: „Lust ist sinnlich, sexuell, sie ist voller Begehren, Bildern, der Jagd nach dem Vergnügen ... . Nicht so die Leidenschaft. Sie brauchen Leidenschaft, um erschaffen zu können.“ BESIEGTE LEIDENSCHAFT In der buddhistischen Lehre werden, ganz im Gegensatz zur ungezügelten sinnlich beschränkten Leidenschaft, umfassendere Liebe und ethisch begründete Güte als erstrebenswert angesehen. Liebevolle Güte ist die selbstlose, leidenschaftslose und umfassende Zuneigung zu allen Lebewesen und deshalb verschieden von Liebe im Sinne von Zuneigung und sexuellem Verlangen. Für den Buddhisten gilt, verkürzt gesagt, dass Leidenschaft die Leiden schafft. Der Begriff Leiden wird dabei viel weiter gefasst als in der christlich-abendländischen Kultur. Leiden ist mehr als nur Schmerz, Traurigkeit, Angst und Tod, Leiden ist auch mit unseren Wünschen und Sehnsüchten verbunden. Krishnamurti sagt in seinem Buch „Vollkommene Freiheit“: „Mit-Leiden bedeutet, Leidenschaft für alle Dinge zu haben, nicht nur die Leidenschaft zwischen zwei Menschen, sondern für die ganze Menschheit, für alle Wesen auf der Erde, Tiere, Bäume, alles, was die Erde trägt.“

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