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BOLD THE MAGAZINE 02 2012

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(R)EVOLUTION

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50 | BOLD THE MAGAZINE Kunst & Kultur | Im Porträt | Dror Benshetrit Im Porträt Designer Dror Benshetrit Autorin: R. Brokate Dror Benshetrit wurde 1977 in Tel Aviv (Israel) geboren und verbrachte dort auch den Großteil seines Lebens. Von seiner französischen Mutter wurde er weltoffen erzogen und lebt heute – nach Zwischenstopps in Eindhoven und Paris – in New York. Benshetrit sah sich immer als Künstler, schon als kleines Kind wollte er etwas Kreatives machen. Ob malen, zeichnen oder Bildhauerei – alles, was in Richtung Kunst ging, bereitete ihm Spaß. Er wusste, dass Kunst immer zu seinem Leben gehören würde, und dachte zunächst auch daran, Kunst zu studieren. Allerdings sollte sich das Ganze zugleich auch mit etwas Praktischem verbinden lassen. So entschied er sich für die Design Akademie in Eindhoven. Nach der strengen Bauhaus-Doktrin haben Produkte vor allem zu funktionieren, laut der Memphis-Philosophie dagegen lustvoll zu provozieren. Wer Dror Benshetrit kennen lernt und versucht, ihn irgendwo auf der Skala zwischen Bauhaus und Memphis – zwischen Funktion und Emotion also – einzuordnen, wird bald kapitulieren. Über Orientierungspunkte wie Form, Funktion und Gefühl hinaus bereichert Benshetrit seine Objekte um eine weitere Komponente: Veränderung. EIN ELEMENT viele MÖGLICHKEITEN Seit 2006 hat der Designer mit seiner patentierten Form QuaDror experimentiert: Die L-förmigen Einzelteile lassen sich perfekt miteinander verbinden und bieten unzählige Einsatzmöglichkeiten. Je nach Material und Stärke der einzelnen Bausteine, die sich gegenseitig tragen und extrem schnell aufund abbaubar sind, eignen sie sich für die Gestaltung von Trennwänden, Pavillons, ganzen Gebäuden und temporären Eventlocations. QuaDror ist ein innovatives und neues System, das so einfach wie verblüffend funktioniert. Doch Benshetrit reüssiert auch in Kooperationen: So entstand aus der Zusammenarbeit mit Cappellini „Peacock“ – ein Sessel, der aus einer einzigen Filzplatte besteht, die auf einer dunkelbraun lackierten Metallbasis zusammengekräuselt ist; und für Tumi entwickelte er eine eigene Koffer- und Taschenkollektion. Wie würden Sie sich und Ihre Arbeit beschreiben? Ich bin Künstler, interdisziplinärer Designer. Im Grunde designe ich alles außer Mode. Wobei das nicht ganz stimmt, da ich auch schon Modekunden hatte. Mein Job ist es, Kunst mit praktischen Elementen zu verbinden und ihnen gleichzeitig Emotionen zu verleihen. Die Arbeit beginnt immer mit einem großen Fragezeichen. Im ersten Ansatz versuche ich, alles aus allen Perspektiven zu betrachten, denn alles beeinflusst uns und alles ist wichtig und relevant.

BOLD THE MAGAZINE | 51 Es ist gut, alles in Frage zu stellen: Warum hat ein Stuhl Beine? Warum hat der Koffer Rollen? Kann da auch etwas anderes hin? Muss ich die Tasche immer auf dem Rücken tragen oder gibt es einen anderen Weg? Diese Fragen führen zu immer neuen Innovationen. Es geht darum, beständig über den Tellerrand hinauszuschauen und sich zu sagen: Alles ist möglich! diesen Weg. Aber selbstverständlich gibt es bei allen Schritten zeitliche und preisliche Rahmenbedingungen, an die man sich zu halten hat. Ich versuche, alles zu verbinden und einen gemeinsamen Nenner zu finden. Wenn man letztlich mit eigenen Augen sieht, was man kreiert hat – muss das ein wunderbarer Moment sein ... sich bringen. Das alles ist ein großer Entwicklungsprozess: vom Zeitpunkt, an dem ein Auftraggeber zu mir kommt, bis zur Umsetzung des Projektes. Für mich persönlich ist es besonders wichtig, dass ich nicht nur in einer festgelegten Richtung designe. Die Einbindung von Elementen aus den verschiedensten Bereichen ist eine Bereicherung für jeden Designer. Also keine Chance für Routine? Genau! Man darf sich nicht von Vorwissen und Vorurteilen beschränken lassen. So versuche ich, möglichst träumerisch, kindisch und naiv an meine Projekte heranzugehen. Es ist ein ständiges Vorund Zurückschreiten. Aus meiner Zeit in Eindhoven habe ich gelernt, dass es nicht wichtig ist, wie man die Dinge sieht oder welches Wissen man hat. Es geht einzig und allein um die Wahrnehmung. Wenn einem das nötige Know-How fehlt, kann man immer experimentieren, um es sich zu verschaffen. Das klingt nach Grenzenlosigkeit ... Ich gehe jedes meiner Projekte mit einem gesundem Menschenverstand an und liebe Schon, doch für mich ist der Prozess aufregender als das Endergebnis. Aber es bleibt natürlich stets aufs Neue ein atemberaubender Moment, wenn man sieht, was man geschaffen hat – zu realisieren: Wir haben bei Null angefangen und sind viele, lange Wege gegangen, bis wir irgendwann angekommen sind. Das ist ein sehr gutes Gefühl. Welche Designs bereiten Ihnen die größte Freude? Vor zehn Jahren hätte ich wahrscheinlich gesagt, dass Produkte wie eine Fernbedienung oder eine Waschmaschine total langweilig sind. Inzwischen habe ich realisiert, dass die interessantesten Projekte zunächst eher langweilig erscheinen, aber oft die größten Herausforderungen mit Birgt diese riesige Spielwiese nicht auch das Risiko, sich zu verlaufen? Die Vielfalt an Möglichkeiten hat natürlich auch ihre Tücken – Ideen, die nicht auf den Markt passen oder die gut aussehen, letztlich aber einen Rückschritt darstellen würden. Interdisziplinarität heißt hier meine Devise, also nicht nur äußerlich ein neues Design erfinden, sondern stets und ständig innovativ sein. Links zum Thema: www.studiodror.com www.tumi.de www.cappellini.it

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