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BOLD THE MAGAZINE 04 2011

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PERSPEKTIVEN

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14 | BOLD THE MAGAZINE Schwerpunkt | Perspektiven | Suche nach Gott „Stärkeren“ missverstanden wird. Der Dokumentarfilm aus dem Jahr 2010, „7 oder warum ich auf der Welt bin“, befragte Kinder zwischen sieben und dreizehn Jahren zu diesem komplexen Thema. Die Kinder gehen der Frage nach dem Sinn des Lebens spontan und fantasievoll auf den Grund. „Er (der Mensch) ist Blüte und Winter. Er kann die Erde zerstören, aber auch besser machen“, sagt in dem Film der 10-jährige Jonathan. Die SEHNSUCHt NACH GOTT Der kanadische Philosoph und Politikwissenschaftler Charles Taylor, als praktizierender Katholik eher ein Vertreter konservativer religionsphilosphischer Ansätze, vertritt die Auffassung, dass in den säkularisierten westlichen Gesellschaften die christlichen Grundwerte durchaus verwirklicht seien. Erkennbar an garantierten Menschenrechten und weitreichenden Hilfeleistungen im Rahmen der Sozialstaaten sowie an internationaler humanitärer Hilfe bei Naturkatastrophen und Folgen von Kriegen. Grundlage für diese realisierte Humanität sei, dass eine Gesellschaft weder von einer einzigen Religion noch von einer weltlichen Ideologie dominiert wird. Taylor sieht ein menschliches Bedürfnis nach einem Sinn, der das diesseitige menschliche Leben transzendiert, als Antrieb dafür. Der Humanismus allein biete aber eine unzureichende Motivation für moralisches Handeln. Stabilität biete das christliche Menschenbild, das den Menschen als Sünder begreift, ihm gleichzeitig als Bild Gottes aber dennoch unbedingten Wert und Würde zuschreibt. In seinem Buch „Ein säkulares Zeitalter“ erkärt der achtzigjährige Taylor, wie es dazu kam, dass der liebe und strafende Herrgott der Christenheit, Schöpfer und Richter, in unserer Gegenwart an maßgebender Bedeutung verloren hat und dass die moderne, säkulare Welt mit ihrem Unglauben ein Nebenprodukt westlicher, religiöser Reformbewegungen sei. Im Grunde hält er jedoch gerade daran fest, dass der Glaube das „einzig Wahre“ ist. GLAUBE UND POLITIK Religion und politische Kultur sind in der Entwicklung der Meschheit stark miteinander verbunden. Die Trennung von Politik und religiösen Überzeugungen ist eine neuzeitliche Errungenschaft in unserem westlichen kulturellen Raum. Als Gegenentwurf meldet sich die traditionelle islamische Überzeugung zu Wort, dass aus der religiösen Überzeugung das private und das politische Handeln hervorgehen soll und beides nicht getrennt voneinander gesehen werden kann. Eine optimistische Einstellung verbunden mit einem positiven Menschenbild ist in jedem Fall die unverzichtbare Grundlage einer emanzipatorischen Entwicklung, Albert Einstein formulierte dies 1930 in einer Weise, über die sich nachzudenken lohnt: „Das ethische Verhalten des Menschen ist wirksam auf Mitgefühl, Erziehung und soziale Bindung zu gründen und bedarf keiner religiösen Grundlage. Es stünde traurig um die Menschen, wenn sie durch Furcht vor Strafe und Hoffnung auf Belohnung nach dem Tode gebändigt werden müssten.“ Nicht umsonst haben die Gründerväter und -mütter der Bundesrepublik im Grundgesetz als Grundrecht verankert: „Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich. Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet“ (Artikel 4.1 und 4.2). MORAL UND KAPITAL Der Profit heiligt die Mittel, Gier ist gut, und Kapital ist nicht an moralische Vorstellungen gebunden – durch diese „Glaubensbekenntnisse“ wird mittlerweile eine Wirtschaftskrise nach der anderen verursacht. Hans Küng, Theologe und Autor des Buches „Anständig wirtschaften.

Schwerpunkt | Perspektiven | Suche nach Gott BOLD THE MAGAZINE | 15 Warum Ökonomie Moral braucht“, stellt fest, dass die Wirtschaft unbedingt neue Werte braucht – aber welche? Kann man anständig wirtschaften und Erfolg haben? Gehen Moral und wirtschaftlicher Erfolg überhaupt zusammen? Seit Hans Küng 1990 ein gemeinsames Weltethos vorgeschlagen hat, beschäftigt er sich mit der Herausforderung eines gerechten Wirtschaftens. Der Sozialismus ist geschlagen, der Kapitalismus ruiniert sich gerade selbst, die soziale Marktwirtschaft ist kaum noch sichtbar. Hans Küng fragt nach den Grundlagen der Globalisierung ebenso wie nach der moralischen Begründung des Gewinns und den wahren Kosten der Marktwirtschaft – und versucht so, einen Wertekanon aufzustellen, der dem Einzelnen wie der Gesellschaft insgesamt sagen kann, was „anständig“ ist in der Wirtschaft – und was nicht. Im „Manifest Globales Wirtschaftsethos: Konsequenzen und Herausforderungen für die Weltwirtschaft“ wird der Frage auf den Grund gegangen, wie es gelingen kann, „die wirtschaftliche Globalisierung der Welt in Zukunft auf der Basis auch transkulturell akzeptierter rechtlicher und moralischer Spielregeln zu gestalten.“ Ist es dafür nicht schon viel zu spät? GLOBALISIERUNG UND GLAUBE In der globalisierten Welt, mit wachsender Vorherrschaft des egalisierenden Kapitals über die Vielfalt von sinnstiftenden Kulturen, lässt sich ein Revival der alten religiös verwurzelten Überzeugungen und Werte feststellen. Bei aller fortschreitenden wirtschaftlichen Verunsicherung und undurchschaubaren Finanz- und Politikstrukturen bricht vielerorts eine Sehnsucht nach überschaubaren, verlässlichen und Halt gebenden Wertesystemen hervor. Die Globalisierung ist der Vorgang der zunehmenden weltweiten Verflechtung in allen Bereichen, wie Wirtschaft, Politik, Kultur, Umwelt und Kommunikation. „Diese Verdichtung der globalen Beziehungen geschieht auf der Ebene von Individuen, Gesellschaften, Institutionen und Staaten. Als wesentliche Ursachen der Globalisierung gelten der technische Fortschritt, insbesondere in den Kommunikations- und Transporttechniken, sowie die politischen Entscheidungen zur Liberalisierung des Welthandels.“ (Quelle: wikipedia) Die für immer mehr Menschen spürbaren wirtschaftlichen Folgen der Globalisierung, dazu Umweltkatastrophen und Naturzerstörung, der Schrecken von 9/11, die Katastrophe von Fukushima, der wirtschaftliche Abgrund, der sich für ein Land wie Griechenland öffnet, das alles bringt Ängste hervor und wirft immer wieder die gleiche Fragen auf: Auf welcher Grundlage stehen wir noch sicher? Wie stabil ist unsere Zukunft? Die moderne Wirtschaft und die reagierende Politik geben immer seltener verlässliche Antworten darauf. Die alten Werte und Lebensrichtlinien unserer religiösen Wurzeln, bieten an dieser Stelle mehr Halt für einen verunsicherten Geist. Ist es etwa an der Zeit, den individualisierten Konsumenten etwas zurück zu nehmen und das solidarische Mitglied einer religiös verbundenen Gemeinschaft wieder in den Vordergrund zu rücken? „Im Zuge der Globalisierung ist die religiöse Identität wichtiger geworden“, sagt der renommierte US-Religionssoziologe José Casanova, „Die Tatsache, dass wir uns als Moslems, Christen oder Hindus erkennen, ist eine moderne Entwicklung. Unter diesem Aspekt führt die Globalisierung zu mehr religiöser und damit auch zu kultureller Identität.“ Casanova spricht sich in seinem Buch „Europas Angst vor der Religion“, gegen eine grundsätzliche Trennung von Religion und Staat aus: „Gegen Immigranten gerichteter, fremdenfeindlicher Nativismus, konservative Verteidigung christlicher Kultur und Zivilisation, säkularistische antireligiöse Voreingenommenheit, liberal-feministische Kritik am muslimischen patriarchalischen Fundamentalismus und Angst vor islamistischen Terrornetzwerken werden überall in Europa willkürlich zu einem ...

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