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BOLD THE MAGAZINE 04 2011

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PERSPEKTIVEN

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18 | BOLD THE MAGAZINE Schwerpunkt | Perspektiven | Bildung im Wandel bildung im Wandel Perspektive für ein neues Lebenskonzept Autor: J. M. Brain Endlich Zeit haben für das, was man schon immer tun wollte. Dieser Satz ist für viele Menschen der Leitgedanke, mit dem sie ihre dritte Lebensphase nach Beruf oder familiären Aufgaben beginnen. Sich neu zu orientieren, Neues zu lernen und zu verstehen, das sind bis ins hohe Alter nachweislich die besten Voraussetzungen für einen aktiven und gesunden Lebensstil. Unterstützt wird dieser Gedanke durch die neuesten Erkenntnisse in Psychologie, Hirn- und Altersfor- schung, die sich gegen die traditionelle Lehrmeinung aussprechen, dass die Lernfähigkeit im Alter nachlasse. Einzig das Lernen, das schnelles Reagieren erfordert, vermindert sich. Ältere Menschen lernen also langsamer als jüngere, dafür aber genauer und sinnvoller. Erkenntnis und Wissen sind Potenziale, die in der Generation 50plus derzeit einen hohen Stellenwert einnehmen. Weiterbildung und Studium werden zur Perspektive für ein neues Lebenskonzept. Etwa fünfzig deutsche Universitäten und Hochschulen bieten derzeit verschiedene Studienangebote für ältere Menschen an. Das Spektrum dieser Angebote ist außerordentlich breit: Es reicht von einem ordentlichen Vollstudium über ein reines Gasthörerstudium bis zu einem speziell auf die Bildungsinteressen der älteren Studierenden abgestimmten Seniorenstudium. Die offiziellen Zielsetzungen dieser Studienprogramme entsprechen aber nicht immer den realen Studienverhältnissen. So ist an vielen Universitäten die notwendige Voraussetzung für die Zulassung älterer Studierender die Hochschulreife. Wer kein Abitur aufweisen kann, ist von den unterschiedlichen Studienangeboten generell ausgeschlossen. Foto: Universität Passau Diese Zulassungsbeschränkung stellt gerade für die Generation 50plus eine schwere Hürde dar, war doch das Abitur bis zu den Bildungsreformen der 70er und 80er Jahre ein Privileg, das sich nur wenige leisten konnten. Auch gehen die meisten universitären Angebote für ältere Studierende in der Regel vom Grundsatz eines so genannten „Studium generale“ aus, bei dem die Allgemeinbildung im Mittelpunkt steht. Für ältere

Schwerpunkt | Perspektiven | Bildung im Wandel BOLD THE MAGAZINE | 19 Studierende, die sich aber intensiv mit einem bestimmten wissenschaftlichen Fach beschäftigen möchten, sind diese Studienangebote wenig ansprechend. Ebenso wenig geeignet ist derzeit auch ein universitäres Vollstudium. Der neu eingeführte Studiengang „B. A. Bachelor of Arts“ ist mit permanenten Leistungs- und Prüfungsnachweisen verbunden und durch so genannte „Module“ extrem verschult. Der B. A. entspricht weder der Lerndynamik noch der Herangehensweise von älteren Studierenden. Zudem hat die Zahl der Studienanfänger an den deutschen Universitäten 2011 einen neuen Höchststand erreicht, der laut Prognosen in den nächsten Semestern sogar noch steigen wird. Angesichts der angespannten Finanzlage der Universitäten, die diesen Massenandrang nun kompensieren müssen, werden die Möglichkeiten eines Studiums für ältere Menschen vermutlich deutlich verringert. Wer sich aber dennoch an einer Universität für ein Vollstudium einschreibt, der muss mit überfüllten Hörsälen, Prüfungsdruck und einem hohen Maß an Anonymität rechnen. Konjunktur für Privatakademien „Studieren 50plus“ ist ein sinnvoller Weg für ein aktives und selbstbestimmtes Lernen im Alter. Doch ist für den Erfolg des Lernens vor allem der Ort des Lernens wichtig. Deshalb muss ein besonderer Raum für das Studieren geschaffen werden, der den individuellen Interessen, Bedürfnissen und Fähigkeiten älterer Menschen adäquat entspricht. Solche idealen Räume können private Akademien anbieten, denn sie müssen sich weder nach einem amtlich festgelegten Lehrplan richten, noch stehen sie unter dem Zwang eines von außen verordneten Prüfungs- oder Leistungssystems. Im Gegensatz zu Volkshochschulen, Bildungswerken oder traditionellen Seniorenakademien besteht zudem die Möglichkeit, anstelle lediglich punktueller Angebote eine Fachdisziplin in ihrer ganzen wissenschaftlichen Bandbreite zu vermitteln. Wie verschiedene Beispiele in deutschen Städten (etwa in München, Freiburg oder Kassel) belegen, haben Privatakademien mit ihrem Angebot eines „Studiums 50plus“ gegenwärtig Konjunktur, gerade weil sie eine Lücke im Bildungs- und Wissenschaftsmarkt füllen. Zugegeben, diese Angebote sind nicht eben günstig. Doch ist der Jahresbeitrag, den die Studierenden zu zahlen haben, vergleichbar mit dem Preisniveau einer ein- oder zweiwöchigen Bildungsreise. Dr. Steffen Krämer, selbst jahrelang an deutschen Universitäten u. a. im Seniorenstudium tätig, hat auf diesen Wandel in der Weiterbildung reagiert und die Winckelmann Akademie für Kunstgeschichte München gegründet. Sie bietet Menschen ab 50 Jahren ein umfassendes Studium der Kunstgeschichte. Dabei berücksichtigt er die Ansprüche der 50plus-Studierenden und gestaltet das Studium in einzeln buchbaren Trimestern, mit vorlesungsfreien Zeiten und einem wöchentlichen Studientag. So wird eine hohe zeitliche Flexibilität ermöglicht. BOLD sprach mit Dr. Steffen Krämer über sein neues Konzept: „Aufgrund des demographischen Wandels und des zunehmenden Interesses an Weiterbildung wird sich die Nachfrage nach Studienangeboten für ältere Menschen zweifellos erhöhen. Doch bleibt fraglich, ob staatliche Institutionen wie Universitäten oder Hochschulen darauf angemessen reagieren können, selbst wenn sie diesem Anspruch gerecht werden wollen. Alleine den gegenwärtigen Massenandrang bei den Studienanfängern zu kompensieren, ist schon schwierig genug. Neue Bildungsinstitutionen, wie Privatakademien etwa, bedienen diese spezielle Nachfrage weitaus besser. Schließlich bieten sie gegenüber Universitäten einen flexiblen Rahmen, in dem anpassungsfähige Lernkonzepte für ein „Studium 50plus“ erst möglich werden.“ Studieren ab 50: Kunstgeschichte : Vom Mittelalter bis zur Moderne Winckelmann Akademie für Kunstgeschichte München Destouchesstraße 44 80803 München www.winckelmann-akademie.de

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