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BOLD THE MAGAZINE 04 2011

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34 | BOLD THE MAGAZINE Kunst & Kultur | Frédéric Chaubin | CCCP CCCP Cosmic Communist Constructions Photographed Autor: F. Reip | Fotograf: F. Chaubin Im Taschen-Verlag erschien vor kurzem der faszinierende Bildband „Cosmic Communist Constructions Photographed“ („CCCP“) des französischen Fotografen und Herausgebers des Kunstmagazins „Citizen K“, Frédéric Chaubin. Ein Gespräch über Fotografie und Malerei, das Paris von Henry Miller und das Fahren ohne Führerschein ... Worum ging es Ihnen bei der Arbeit an „CCCP“? Mit dem Buch habe ich versucht, auf visuelle Weise die Emotionen zu unterstreichen, die ich durchlebt hatte. Einerseits sollten die Bilder für sich stehen, andererseits sollten sie als Reihe erkennbar werden. Ich überlagerte künstlerischen und dokumentarischen Ansatz, historische und fiktive Ebene. Vor kurzem bin ich auf einen rumänischen Maler gestoßen, der einige Details meiner Fotografien in seinen Gemälden reproduziert. Sein Projekt heißt „Remains of Tomorrow“ (Überreste von Morgen). Ich denke, er hat genau verstanden, worum es mir ging. Ich bin besessen vom Gang der Zeit. Diese Gebäude, die noch gar nicht sonderlich alt sind und doch bereits Anachronismen, sind faszinierend! Sie entwerfen eine Vorstel- lung von der Zukunft, die auf einer nahen Vergangenheit fußt. Um das Resultat noch verwirrender zu machen, habe ich versucht, die Gebäude so darzustellen, wie es Maler im 19. Jahrhundert gemacht hätten – insbesondere die russischen Landschaftsmaler, die ich so liebe. So habe ich versucht, diese exzentrischen Formen ganz bewusst akademisch nüchtern zu zeigen. Haben Sie ein Lieblingsfoto in Ihrem Bildband? Vermutlich die Aufnahme des Technischen Insituts in Minsk, die ich mit einer Leica gemacht habe. Die Fotografie ist so präzise komponiert wie ein Gemälde und fängt eine einzigartige Situation ein. Es war Sonntag, die Parkplätze waren verlassen, und man sieht nur die Silhouette eines Mannes, von Schnee umgeben, mit Mantel und Aktentasche, ein anonymer Büroarbeiter, der auf dieses gigantische Gebäude zuläuft, dieses Symbol gewaltiger Kraft mitten im Nichts. Ich mag diese metaphorische Dimension des Bildes, und ich mag es auch, weil in „CCCP“ kaum Menschen auftauchen – weswegen mich übrigens ein Freund immer wieder im Scherz fragt, ob ich die Menschheit hasse ... Ihr Buch blickt einmal in die Vergangenheit – wo würde man heute wohl etwas vergleichbar Fantastisches, Fantasievolles in der Architektur finden? Vergangenheit und Gegenwart, ich denke da gibt es keinen Unterschied. Wenn dich ein Kunstwerk packen soll, muss es dir beim Betrachten die Orientierung rauben. In unserer globalisierten, informationsübersättigten Zeit wird gerade diese Erfahrung immer rarer. Man bedenke nur etwa die Anzahl an Bildbänden, die zu Dubai veröffentlicht wurden ... Wenn man die Romane von Henry Miller liest, merkt man, dass es im Paris der 20er-Jahre noch eine geradezu exotische Erfahrung war, vom einen ins andere Arrondissement zu reisen. In den verschiedenen sozialen Schichten sprach man nicht einmal die gleiche Sprache. Das ist jetzt vorbei – wenn man nicht gerade Chinese ist, fällt es schwer, sich in Paris orientierungslos zu fühlen. Was „CCCP“ angeht, hatte ich also enormes Glück, diesen riesigen Forschungsbereich zu finden. Der Mangel an breiter Information über und Dokumentation von dieser Architektur war ein glücklicher Zufall historischen Ausmaßes. Für Kinder müssen diese Gebäude wirken wie die ...

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