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BOLD THE MAGAZINE 05 2011

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IDENTITÄT

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14 | BOLD THE MAGAZINE Einstieg | Identität Selbstzweck. Dieser Industriezweig ist heute zu einem Milliardenmarkt angewachsen. In vielen Regionen der Welt lassen sich Frauen oder Männer aller Altersklassen regelmäßig die optimale Figur und perfekte Gesichtszüge herbeizaubern. Ältere Frauen und Männer glauben weltweit ernsthaft daran, dass es ein optimal jugendlich wirkendes Bild von ihnen gibt, das nur herausgearbeitet werden muss. Eine Sehnsucht nach Schönheit und Gesundheit, die es gleichsam lange Zeit zu erhalten gilt, um der Natur des Alterns etwas entgegenzusetzen. An diesem Punkt, gebe ich zu, bin ich ein Fossil! Ein hoffnungsloser Romantiker, der sich immer wieder an den Lachfalten, den Falten des Lebens und den Falten der Nachdenklichkeit seiner Lebenspartnerin erfreut. Auch in den Medien ist die Tendenz des Abspaltens des Äußeren vom Inneren erkennbar. Bekommt man doch mehr und mehr den Eindruck, dass die Schauspieler uns zurufen: Seht auf meinen Körper, ihr müsst nicht auf meine Worte achten. Konzentriert euch auf das Bild von mir! Wenn der Körper aber nur ein Abglanz ist, auf dem Weg zum wahren Sein nur eine Durchgangsstufe bildet, so kommt ihm wohl kein besonderer Stellenwert zu. Maler hatten es daher schon immer schwer, Porträts von berühmten und weniger berühmten Persönlichkeiten zu malen. War es ihnen doch allzu gegenwärtig, dass sie zwar die Gesichtszüge, nicht aber die Geistesseele ihrer Protagonisten ohne weiteres erfassen konnten. Ist der Schönheitschirurg ein Maler lebendiger, menschlicher Wunschbilder? ERLÖSUNG VOM FLUCH DER UNVOLLKOMMENEN NATUR Bei Schwierigkeiten mit der Rollenvielfalt und denen daraus erwachsenden Identitätsspaltungen hilft zumeist der Psychologe. Beim unerwünschten Körper der Chirurg. Doch nun geht es an die Substanz. Gott und Natur haben an den entscheidenden Stellen ihre Unvollkommenheit bewiesen. Vollkommene Identität können wir nur mit Hilfe der Gentechnik erlangen! Die Wissenschaft verspricht mit großem Aufwand: Wir können schon heute das Ideal erzeugen! Von allen Defekten befreit, bleibt unseren Kindern auch das Älterwerden erspart. Das identisch gesunde Genmaterial als Ausgangspunkt für eine völlig neue Gesellschaft. Sicher gibt es hier viele humanistische Überlegungen, um in unserer Gegenwart Hilfestellungen zu leisten. Doch die Folgen für das Zusammenleben in großen Gemeinschaften werden immens sein. Wie mag ein Kind in der Schule wirken, wenn es ruft: Ich wurde von meiner Oma geboren. Dieser Fall ist real. Eine Großmutter gebar ihren eigenen Enkel in der gleichen Gebärmutter wie die Mutter. Sicher scheint schon heute zu sein, dass viele klassische kollektive Identitäten auseinander gerissen werden. Welche ethischen Grundwerte werden in dieser Welt die Grundlage bilden? Foto: Mika Ceron (www.mikaceron.com), Model: Zoe Helali, Styling: H. Saliba, Hair & Make-Up: M. Pieper, Mode: Andrea Schelling

Einstieg | Identität BOLD THE MAGAZINE | 15 VOM ENDE DER POSTMODERNE Auch auf Seiten der äußeren Identität wie Nation und Religion haben wir viele Veränderungen erlebt. Lange Zeit glaubten die Vertreter der europäischen Eliten, sie könnten die landesspezifischen Identitäten hinter sich lassen. Wir seien weit darüber hinaus mit dem Projekt der Europäischen Integration. Nun melden sich verstärkt diese alten Identitäten zurück. Bei der Diskussion um den Euro ist diese Auffälligkeit am größten. Schuldzuweisungen, Ein- oder Ausschlussdiskussionen und soziale Spannungen in den Staaten nehmen zu. Der Nationalstaat erscheint wieder als Erlösung vor dem Fluch der gemeinschaftlichen Krise. Doch noch ist vieles offen. Noch lohnt die Wette am Finanzmarkt auf den Untergang des Euro. Eine amerikanische Bank hat mit dieser Strategie Investoren gelockt. Freund und Feindbilder purzeln bunt durcheinander. Die Zeit des Relativismus und der Postmoderne neigt sich ihrem Ende zu. Auch in Europa wird die Diskussion um Identität nicht Halt machen. Wie soll ein gutes Leben heute im Sinne der äußeren und inneren Identität aussehen, das sich nicht auf primär funktionale Betrachtungen reduziert? Auf die Diskussion dazu kann sich die Philosophie nur freuen. Einmischen wird immer notwendiger!

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