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BOLD THE MAGAZINE 05 2011

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IDENTITÄT

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24 | BOLD THE MAGAZINE Schwerpunkt | Identität | wer bin ich Vergleichen Sie für uns doch bitte mal Moskau mit anderen Städten! Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus? In Moskau ist schon vieles anders als wir es gewöhnt sind. Die meisten Dinge dauern länger. Natürlich ist auch die Sicherheit ein Thema, an das man sich erst gewöhnen muss. Ohne Security werden hier keine Wege erledigt. Das hat auch auf die Familie Auswirkungen. Trotzdem gehen wir natürlich auch selber im Supermarkt einkaufen. Wir leben mit Absicht in der Stadt und haben keinen Zufluchtsort auf dem Land, wie es hier häufig praktiziert wird. Wir versuchen möglichst viel von Moskau zu erleben und zu verstehen. Dass man Ausländer ist, wird überall auf der Welt ausgenutzt, da heißt es: Wachsam sein! Von der Arbeit her: Ich bin eher im Büro als die anderen und meist auch länger. Was bereitet Ihnen dort die größten Probleme? Die russische Sprache hat ihre Tücken und die Kommunikation im Allgemeinen ist etwas schwieriger, denn wenige Einheimische sprechen Englisch. Der gesellschaftliche Status hat hier einen höheren Stellenwert als in Westeuropa. Das bekommt man als Geschäftsführer der größten internationalen Hotelkette Russland besonders zu spüren. Die Menschen haben hier das Bedürfnis, sich durch offensichtliche Merkmale wie große Autos, teure Accessoires usw. zu profilieren. Das Wetter ist für uns Westeuropäer im Winter natürlich sehr gewöhnungsbedürftig. Es ist echt richtig kalt im Winter. Und Weihnachten ist hier am 6. Januar! Ich habe bei den AZIMUT Hotels einen Vertrag über drei Jahre hier in Moskau. Eine weitere Periode ist für mich durchaus denkbar. Ansonsten ist Asien noch etwas, was auf meiner Agenda steht. Und auf jeden Fall will ich noch zum „Whale Watching“ nach Südafrika. Aber das sind alles keine konkreten Pläne. Man weiß nie, was morgen passiert. Besonders nicht in Russland. Es gibt ein russisches Sprichwort, das besagt: Wer die Arbeit mag, kann ohne sie nicht still sitzen. Das scheint auf mich gut zu passen. Gabo Autorin Gabriele Schmitz (Künstlername: Gabo) ist freiberufliche Künstlerin, Kunsttherapeutin, Heilpraktikerin (Psychotherapie) und Autorin, Sie erlitt im März 2007 einen Schlaganfall mit halbseitiger Lähmung und starken Sensibilitätsstörungen, vor allem in der linken Hand. Gabo gehörte zu keiner der üblichen Risikogruppen, führte ein entspanntes und gesundes Leben mit einem breit gefächerten künstlerischen Interesse. Sie spielte Cello, E-Bass und Posaune und war hinter der Kamera ebenso präsent wie beim Malen an der Staffelei. BOLD sprach mit Gabo über die schwerste Phase in Ihrem Leben, über ihren Umgang mit den Folgen des Schlaganfalls, ihre Erkenntnisse und ihr Buch „Als mich der Schlag traf“. Was hat sich im Vergleich zu der Zeit vor dem Schlaganfall verändert? Mein Wissen über den Körper und die Funktion des Gehirns hat sich erweitert. Meine Neugier, Neues auszuprobieren, ist stetig gewachsen, weil ich lernte, alte Denkmuster zu überschreiben. Mit den alten Mustern hätte sich meine Aufmerksamkeit nur auf die entstandenen Defizite gerichtet. Mein neues Verständnis für das Wunderwerk Gehirn und die Prozesse, die im Kopf und im Körper ablaufen, änderte meinen Blickwinkel vollständig. Wie verhalten sich die Menschen, die von dem Schlaganfall wissen, um Sie herum? Hier sprechen Sie eine echte Zwickmühle an: Zum einen wollen wir „Behinderte“ ja immer gerne möglichst alles selbst machen, zum andern ist nach einem Schlaganfall die Wahrnehmung des eigenen Körpers oft sehr skurril. Es ist wichtig, mit den Menschen in seinem Umfeld zu reden: „Dieses und jenes ist bei mir jetzt ganz anders. Das solltest du wissen!“ Dann kann

Schwerpunkt | Identität | wer bin ich BOLD THE MAGAZINE | 25 jeder für sich entscheiden, wie er mit der Situation umgeht. Was würden Sie sich in diesem Zusammenhang wünschen? Ich wünsche mir, dass andere verstehen, welch ein Kraftakt dahinter steckt, eine verloren gegangene Bewegung völlig neu zu erlernen. Es kommt nichts von selbst zurück – jede Bewegung wird zunächst bei anderen beobachtet, wahrgenommen, mental vorgestellt, in ihre Einzelabläufe aufgeschlüsselt, dann trainiert, wiederholt, kombiniert und stabilisiert. Denken Sie doch nur an die Tausende von Bewegungen einer Hand und der einzelnen Finger. Das ist sehr viel Arbeit! Sie haben ein Buch über Ihre Erfahrungen veröffentlicht. Warum und vor allem für wen? Nach einem Schlaganfall ging es mir wie allen Betroffenen. Es ist erst einmal sehr schwierig, mit der neuen Situation umzugehen. Große Teile des vorher so vertrauten Körpers funktionieren nicht mehr. Freunde und Familie sind verunsichert. Wie soll der künftige Alltag aussehen? Alle Beteiligten sind völlig überfordert mit dieser fatalen Situation. Mein Buch ist für Betroffene und Angehörige. Es versucht, die Informationslücken zu füllen, schafft einen Überblick über die Krankheit, erklärt Behandlungsansätze und beleuchtet die Chancen des Neu-Lernens. Der erste Teil des Buches ist gezeichnet und wurde durch kurze Erläuterungen ergänzt. Meine persönliche Geschichte steht als Beispiel und lädt ein zum Miterleben und Mitdenken, und manches wird im Bild deutlicher als durch Worte allein. Für den zweiten Teil habe ich Fachautoren zusammengestellt, um die wissenschaftliche Seite aufzuzeigen. Der hier und da durchblitzende Humor nimmt dem Ereignis ein wenig seine Schwere. Gerade in der Anfangsphase, in der die Betroffenen noch mit vielen Wahrnehmungseinschränkungen zu tun haben, hilft die Einfachheit und Klarheit des illustrierten Teiles. Wie konnten Sie, noch schlaganfallgeschädigt, diese Kraft aufbringen? An mir selbst konnte ich in den letzten viereinhalb Jahren beobachten, welche ungeahnten Möglichkeiten das menschliche Gehirn durch seine Formbarkeit bietet. Ich konnte manchmal selbst nicht glauben, welche körperlichen Fortschritte und Verbesserungen der Lebensqualität nach einem Schlaganfall mit halbseitiger Lähmung möglich sind. Mit dem Buch möchte ich andere nicht nur motivieren, sondern auch informieren. Wie sehen Sie die letzten Jahre aus heutiger Sicht? Ich habe in den letzten Jahren mein erwachsenes Selbst kennen und schätzen gelernt. Mein Denken und Wahrnehmen hat sich geändert – verbessert – und ich erlebe eine selbst gesteuerte Einstellung zu meinen Fähigkeiten und meinem Leben. Mir wird bewusst, dass ich die Rehabilitation meiner Körperfunktionen weder ohnmächtig noch allmächtig betrachte, dass ich Möglichkeiten habe, mir gute Unterstützung zur Genesung zu suchen. Ich gehe neugierig auf meinem Weg weiter, Schritt für Schritt. „Neue Wege entstehen dadurch, dass man sie geht.“ (Franz Kafka) „Als mich der Schlag traf“ Autorin: Gabo Kartoniert, 16,7 cm x 23,3 cm, 146 Seiten 19.90 EUR ISBN: 978-3-886-03991-3 www.zuckschwerdtverlag.de „Wer bin ich“ Autor: Richard David Precht Paperback, 13,5 cm x 21,5 cm, 400 Seiten 14.95 EUR ISBN: 978-3-442-31143-9 www.randomhouse.de Links zum Thema: www.azimuthotels.de www.matigavriel.com

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