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BOLD THE MAGAZINE 05 2011

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IDENTITÄT

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26 | BOLD THE MAGAZINE Schwerpunkt | Identität | Kolumne Kolumne Pasta, Currywurst und Stroopwafel Autor: G. Faranna Was haben Bruno Labbadia und ich gemein? Wenn man versucht, eine sehr philosophische Frage zu klären, ist es oft am besten, eine Analogie zum Fußball herzustellen. In diesem Fall haben Labbadia und ich gemein, dass wir Deutsch-Italiener sind. In seinem Fall hat er sich entschieden, für die Deutsche Nationalmannschaft zu spielen, ich hingegen bildhaft für Italien. Wir spielen ja auch besseren Fußball, technischer und leidenschaftlicher, und haben einen Stern mehr auf dem Trikot. So macht man sich gleich zu Beginn einer Geschichte Freunde. Allerdings zwingt das Thema einem eigentlich eine Entscheidung auf. Wenn man sozusagen mit zwei Identitäten aufwächst, gibt es immer Dinge, die anders sind. Während der Schulzeit wurde ich von meinen deutschen Klassenkameraden oft gefragt, ob meine Eltern nicht eine Pizzeria oder eine Eisdiele besitzen würden. Sobald Sie herausgefunden hatten, das meine Eltern auch noch aus Sizilien kommen, ging es nahtlos weiter mit Marlon Brando, dem Paten oder der Mafia. Der Vorteil hierbei ist, dass man bei bestimmten Situationen gar nicht erst in Rangeleien gerät, weil die anderen Angst haben, das der lange Arm der Cosa Nostra bis ins ländliche Geislingen/Steige reichen könnte. Gepaart mit der mediterranen Aura kann sich das als sexy erweisen – in meinen Fall eher weniger, aber das ist eine andere Geschichte. Wenn es bei mir um die Identität geht, sage ich gerne, dass ich es wie Michael Schuhmacher mit Ferrari halte: Italienische Kreativität gepaart mit der Deutschen Perfektion. Bei fünf gewonnenen Formel-1- Weltmeisterschaften nenne ich das: eine erfolgreiche Partnerschaft. Aber was kann einem Besseres passieren als Italo-Deutscher, beruflich ins benachbarte Ausland, in die Niederlande zu gehen? Um beim Fußball zu bleiben, zum Lieblingsgegner. Als ob es nicht schon kompliziert genug wäre mit zwei Identitäten. Aber gut, ich liebe Herausforderungen. Und die gibt es zuhauf. Prinzipiell ist es für eine Italienische, speziell sizilianische, Mutter das Wichtigste, dass ihr Sohn genug zu essen bekommt und dass es schmeckt. Schon mal Stamppot probiert? Oder Bitterballen und Frikandel? Alles nicht gerade gourmetverdächtig. Doch die Zeit heilt alle Wunden und macht abenteuerlustig. Ich meine, das Essen ist auch automatisch die erste Annäherung an eine fremde Kultur. Stroopwafel hilft da sehr, und zwar den Glückshormonen. Vor allem wenn man zu Beginn etwas mit den Holländern hadert. Da ich glücklicherweise dieses Abenteuer nicht alleine bestreiten darf, sondern mit meiner Partnerin, kann ich auch über ein weiteres großartiges Thema berichten: Friseure. Also in meinem Fall ist das sehr einfach, da ich von der Natur aus mit einer relativ einfachen Frisur ausgestattet wurde, wenn man es noch so nennen darf. Gehen Sie in Deutschland zum Friseur und sagen, wie Sie die Haare denn gerne möchten, wird man sich im großen und ganzen daran halten. In den Niederlanden gibt es Raum für Interpretationen. Allerdings teilt man Ihnen das nicht vorab mit, sondern man zeigt es Ihnen am Endresultat. Oder vielleicht müssen Sie nochmals kommen, weil man das Färben zwar hinbekommt aber das Schneiden nicht mehr. Grund: Sie haben zu viele Haare, das hätte man dann schon vorher sagen müssen. Interessanter

Schwerpunkt | Identität | Kolumne BOLD BOLD THE THE MAGAZINE | 27 Ansatz, amüsant, aber nicht am Samstag Nachmittag! Wie schon so oft habe ich neulich den „Identity-Kit“ der Italiener gelesen und vor allem hapert es an der Pünktlichkeit, Korrektheit und Ordnung. Das ist im Prinzip wohl auch richtig so, schließlich leben wir ja auch die „Dolce Vita“. Aber das erwartet man doch nicht von den Niederländern? Zum Beispiel Ordnung: Schon mal versucht in der Innenstadt von Amsterdam gegen die Fahrradfahrer zu bestehen? Zwecklos! Korrektheit ist noch so ein Thema. Da muss man flexibel sein, das kann dann auch gerne mal etwas „packender“ sein. Also sehr flexibel gehandhabt. Und die Pünktlichkeit als solches ist noch ein Paradebeispiel: Manchmal sind Niederländer so „pünktlich“ das man schon eine Glaskugel braucht, um Zeitliches zu erahnen. Vom Hunger geplagt, bestellt man online beim Asiaten, das World Wide Web bietet ja alle Möglichkeiten, und wundert sich warum nicht geliefert wird, auch wenn die Öffnungszeiten auf der Homepage passen. Ein Anruf klärt auf, dass man heute eine Stunde früher geöffnet hat und von daher eine Stunde früher schließt – ist ja auch logisch. Pech gehabt! So kommt man auch zu einer unverhofften Diät. Im Grunde genommen zeigen diese Beispiele nichts anderes, als dass wir Menschen alle gleich sind, aber nicht wirklich. Und das ist auch gut so. Warum? Wollen Sie immer das gleiche essen? Sollen alle ein Klon ihrer Großmutter sein? Ich persönlich fände das etwas schwierig. Natürlich gibt es Herausforderungen und man wundert sich, aber das bringt das Leben mit sich. Ich bin happy, von beiden Kulturen geprägt zu sein, das macht mich offener für Neues und lässt mich das Gefühl haben vielfältiger zu sein. Allerdings merke ich auch: Je älter ich werde, je näher komme ich dem ursprünglichen Erziehungskodex (Italienisch/Deutsch). Auch gut, wenigstens hat sich hier die Arbeit meiner Eltern gelohnt. Am Ende ist es wichtig, dass man weiß woher man kommt, also welche Identität man hat, und wohin man gerne möchte. Es sei denn man steht auf Matt Damon oder Jason Bourne ... aber das ist eine andere Geschichte.

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