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BOLD THE MAGAZINE 05 2011

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IDENTITÄT

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28 | BOLD THE MAGAZINE Niemandsland kongruenz einer Frontstadt Autor: A. Tölke | Fotos: M. Mai Vorne zerbombtes Kino, hinten neu gebaute Moschee. Fotogener Cultureclash im Zentrum

Schwerpunkt | Identität | Niemandsland BOLD THE MAGAZINE | 29 Partys auf Dachterrassen mit Blick auf Ruinen. In Beirut ist Gewalt omnipräsent, der Lebenslust tut es kaum Abbruch. Klischees vom „Paris des Nahen Osten“ werden trotzdem zu müden Floskeln und die Beiruter haben sich eingerichtet im Niemandsland. „alles, was wir haben, ist der Horizont“ Der Anflug passt zum Image: Stürzt der Flieger ab, fragt man sich wenn es steilgrade auf das Wasser zugeht. Mitnichten – es ist die Landebahn, die aus dem Nichts, dem Meer, ins Landesinnere führt. Beirut – das erste was einem durch den Kopf geht sind platte Wortspiele wie „Bombenstimmung“. Selbsterklärend. Es gibt die begründet Ängstlichen, die warnen: Kriegsgebiet – gefährlich! Auf der anderen Seite die Begeisterten. Eine davon ist die Architektin Zaha Hadid: „Bis 1977 habe ich in Beirut studiert und bis heute packt mich die Energie sobald ich in die Stadt komme. Es ist das Nonplusultra für Touristen. Die Libanesen sind die Meister der Gastfreundschaft und des Service“, sagt die Weltbürgerin, Irakerin qua Geburt, seit Jahrzehnten in London lebend, beim Dinner in Berlin. Vor dem Phonecia, dem Luxushotel Beiruts, stehen zwei mit MPs bewaffnete Soldaten. Wer das Hotel betreten will muss wie am Flughafen durch den Security Check. Auch eine Form des Service und für Beirutis selbstverständlicher Alltag. Drinnen gespenstische Luxusruhe aus Marmor und dicken Teppichen, die den Schall dämpfen. Zwischen Pool und Terrasse mit Blick auf millionenteure Yachten zur einen Seite, auf der anderen der Blick auf das, was vom Hilton Hotel übrig blieb. Eine Ruine im Zentrum – nicht die einzige. Und das Nebeneinander zwischen Wohlstandsoasen und Trümmern ist ebenfalls eine Impression, die sich ad infinitum durch Beirut zieht. Am Wagenfenster ziehen Luxusmalls vorbei, alle Lables sind präsent. Sekunden später wieder Fassaden mit Einschusslöchern. Einiges, was eigentlich den Aufbruch markiert, könnte allerdings schnell falsch als Kriegsüberbleibsel interpretiert werden. Der Platz der Märtyrer, nahe dem Meer, wirkt wie ein hastig aufgeschütteter Bombentrichter – dabei wurde in den letzten Jahren dort Land gewonnen. Beirut wächst. Migration als kulturelles Merkmal Der Architekt Youssef Tohme, der gerade die St. Joseph Universität fertig gestellt hat, beschreibt die Lage: „Im Süden Israel mit einer undurchlässigen Grenze, im Norden und Osten Syrien – alles, was wir haben, ist der Horizont, das Meer.“, sagt er. Und neben der spektakulären Uni, die den ästhetischen Neuanfang der Stadt wie kein anderes Gebäude symbolisiert, sind auch Tohmes Privathäuser genau von dieser Betrachtung beeinflusst. Beiruts Zentrum liegt in einer Senke, im Sommer staut sich die Hitze in der Stadt. Je weiter sie sich in die umliegenden Berge erstreckt, desto angenehmer die Temperaturen, desto begehrter die Häuser und Wohnungen. Yussef Tohme hat drei Projekte realisiert, die sich in den Wohngebieten der Upper-Class zum Meer hin öffnen, mit bodentiefen Fensterfronten und zu den Bergen hin mit schroffen, fast abweisenden Fassaden. Wie gesagt: „... was wir haben, ist der Horizont.“ Tohmes Biografie und die Sicht auf seine Heimat ist prototypisch für Libanesen um die 30. Er ist während des Bürgerkriegs nach Paris geflüchtet, hat dort beim Ateliers Jean Nouvel, einem der größten Architekturbüros Frankreichs, gearbeitet. „Und das länger als ich wollte“, wie er sagt. Zum einen war die instabile Situation ein Hinderungsgrund, wieder in den Libanon zu gehen, zum anderen war es schlicht wirtschaftlich unmöglich. „Sich als Architekt selbstständig zu machen, hätte nicht funktioniert“, kommentiert er schulterzuckend. Nicht nur für Architekten war es nach 15 Jahren Bürgerkrieg schwierig. „Über acht Millionen Libanesen leben noch heute im Exil und nur vier Millionen leben im Land.“ Von Rio bis Madrid, von London bis Paris und Berlin – Libanesen haben sich über Dekaden aus der Wartehaltung mit der Situation arrangiert und sind Bürger ihrer Gastländer geworden die aber, „immer Heimweh haben“, wie Yussef Tohme sagt. Sie kehren zurück, wenn nicht für immer, so doch zu Familienfesten mit denen, die geblieben sind, oder auch um einfach Urlaub zu machen. Und sie bringen ihre Erfahrungen mit. Eine Beobachtung, die Ranya Sarakbi teilt. Sie ist vor dem Krieg in die Schweiz .. .

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