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BOLD THE MAGAZINE 05 2012

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BEGEISTERUNG

24 |

24 | BOLD THE MAGAZINE Schwerpunkt | Begeisterung | Japaner in Paris angrifftslustig sagt: „Nun zu uns beiden, Paris“. Um der Enttäuschung schon im Vorhinein entgegenzuwirken, rät eine Infobroschüre des japanischen Konsulats, dem „romantischen Image dieser Stadt“ zu misstrauen. In den bebilderten Szenen trifft eine Manga-Frau auf Taschendiebe, die „Japaner als reiche und einfache Ziele ausmachen“, auf falsche Polizisten, die sie um Hab und Gut bringen, oder auf Kellner, die ihnen Fantasierechnungen unterjubeln. Übertrieben? Der japanische Konsularchef selbst soll als junger Mann in einem Bistro einmal die Zahlen verwechselt haben. Niemand machte ihn auf seinen Irrtum aufmerksam, und so saß der angehende Diplomat dann vor zehn Pfannkuchen, obwohl er nur zwei essen wollte. „Ein Affront“, sagt die Psychologin Fuyu Matsushita kopfschüttelnd. In ihrem Besprechungsraum im Amerikanischen Krankenhaus in Neuilly-sur-Seine strahlt die Mitsechzigerin mit dem blütenweißen Kittel, dem exakt geschnittenen grauen Pagenkopf und den gefalteten Händen eine beruhigende Autorität aus. Aber auch sie, gibt sie zu, habe der Alltag zunächst vollkommen überfordert, als sie ihrem französischen Ehemann vor gut 30 Jahren nach Paris folgte. „Japan ist eine ausgeprägte Dienstleistungsgesellschaft. Man ist stets bereit zu helfen. Vor allem, wenn jemand von weit her kommt. Diese Behandlung wird auch in Frankreich erwartet.“ In der alten Heimat sei es normal gewesen, nahezu alle Aktivitäten in der Gruppe zu unternehmen. Im Wohnhaus kannten sich alle Nachbarn. „In Frankreich traf ich auf eine Kultur, in der das Individuum zählt.“ Richtig schlimm, weiß Matsushita, trifft es oft Japaner, die für längere Zeit nach Paris kommen, weil sie hier studieren oder arbeiten wollen. „Sie trauen sich manchmal gar nicht mehr aus dem Haus.“ Auf die besonderen Bedürfnisse japanischer Touristen stellen sich inzwischen immer mehr Hotels ein. Das „George V“ an den Champs-Elysées etwa empfängt Japaner nach ihren Ausflügen in die Stadt stets mit einer Tasse frisch gebrühten grünen Tees. Jeden Abend liegen ihre Pyjamas gewaschen und gebügelt auf ihren Betten. In den Metrozügen warnen Lautsprecherdurchsagen neuerdings auch auf Japanisch vor einem womöglich breiten Spalt zwischen Zug und Bahnsteigkante. Die Journalistin Nakamura schätzt inzwischen auch so manche Eigenheit in ihrer neuen Heimat, zum Beispiel das viel vertrautere Verhältnis der Ehepaare. „Wenn ein Paar in Japan Kinder hat, dann sagt der Ehemann zur Ehefrau ‚Mama‘ und sie zu ihm ‚Papa‘. Er geht abends mit Freunden weg, sie bleibt zu Hause bei den Kindern. Französische Männer betrachten ihre Partnerinnen dagegen auch noch nach Jahren als Frauen.“ Und der Comic-Autor Nishimura löst auf den letzten Seiten seines Buches endlich auch ein Rätsel, das ihn zu Beginn tief erschütterte: Warum Franzosen nackt schlafen.

Schwerpunkt | Begeisterung | Japaner in Paris BOLD THE MAGAZINE | 25 Junge Japanerinnen flanieren gern durch Paris. Im Hintergrund: Das Kunstmuseum Musée de l‘Orangerie (Jardin des Tuileries)

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