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BOLD THE MAGAZINE 06 2013

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SEHNSUCHT

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12 | BOLD THE MAGAZINE Einstieg | Sehnsucht inniges verlangen Sehnsucht Autor: H. G. Teiner „Nur wer die Sehnsucht kennt, weiß, was ich leide.“ (Johann Wolfgang von Goethe) Sehnsucht nach Zweisamkeit, nach heißen Flirts, nach dem einen Mr. Right oder einfach nur nach Abwechslung. Die individuelle Sehnsucht und unsere kollektiven Sehnsüchte sind die Grundlage für die industrielle Bedürfnisbefriedigung durch kommerzielle Angebote und nicht zuletzt für wirtschaftliches Wachstum. Heute lebt eine ganze Industrie – eine Armada von Agenturen, Dienstleistern, Analysten und Kreativen – von der Suche nach den Sehnsüchten der Zukunft und deren verheißungsvoller Erfüllung in der Gegenwart. Die bittersüße, romantisch-verklärte Sehnsucht eines Johann Wolfgang von Goethe oder Caspar David Friedrich entwickelt sich mehr und mehr zum durchbilanzierten nüchternen Kommerz. Das Internet zum Beispiel boomt und platzt buchstäblich aus allen Nähten, was die Angebote an Partnersuchseiten, Singlebörsen, Flirt- und Seitensprungangeboten betrifft: Nie war es so einfach, seinen Sehnsüchten und Phantasien nach körperlicher und emotionaler Liebe, Ausdruck zu verleihen und für schnelle Erlösung und direkte Erfüllung zu sorgen, jenseits von Rationalität und Realität. SEHNSUCHT EIN ALTES VERLANGEN Sehnsucht ist ein altes, sehr deutsches Wort. Im Mittelalter galt Sehnsucht als Krankheit, im Sinne eines innigen Begehrens, bezogen auf eine Person, nach der man sich in oft unglücklicher und unerreichbarer Liebe schmerzlich verzehrt. Nach den Gebrüdern Grimm ist Sehnsucht „ein hoher Grad eines heftigen und oft schmerzlichen Verlangens nach etwas, besonders wenn man keine Hoffnung hat, das Verlangte zu erlangen, oder wenn die Erlangung ungewiss, noch weit entfernt ist“. Caspar David Friedrich, Vorzeigemaler der deutschen Romantik, einer kulturgeschichtlichen Epoche, die vom Ende des 18. bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts reichte, visualisierte die idyllischen und romantischen Gefühle seiner Zeit. Er wandte sich damit an das patriotische Gemüt der Deutschen und gegen die Napoleonische Fremdherrschaft. Eine bestimmende Kraft der deutschen Romantik ist die Sehnsucht nach Harmonie und Heilung der Welt, nach der Zusammenführung von Gegensätzen zu einem harmonischen Ganzen. Diese Sehnsucht findet ihren Ausdruck in dem Bestreben nach der Rückkehr zur Natur. Nebelverhangene Waldtäler, mittelalterliche Kloster-Ruinen, klassische Mythen, Legenden und die wiederentdeckten Märchen aus alter Erzähltradition sind Motive dieser Zeit. SEHNSUCHT EINE ILLUSION „Sehnsucht heißt ein altes Lied der Taiga ...“, sang Alexandra 1968 mit hingebungsvoll-vibrierender Stimme. Ein pseudofolkloristisches, russisch-romantisches Leidenslied, welches den damaligen Gefühlsdusel-Mainstream ansprach. „... das schon damals meine Mutter sang ... Sehnsucht sind die vielen heißen Tränen“ geht der Text weiter, ein rückwärtsgewandtes Sedativum für eine Gesellschaft, die gerade mit einer neuen und vorwärtsgerichteten politisch-offensiven Jugendbewegung konfrontiert wurde. Die Sehnsucht ist in ihrer tiefen Bedeu-

Einstieg | Sehnsucht BOLD THE MAGAZINE | 13 Foto: (Ausschnitt), Sammlung der Alten Nationalgalerie Berlin Caspar David Friedrich: Mann und Frau den Mond betrachtend, Gemälde um 1824 tung auch ein Ausdruck von Idealbildern, das in der Realität Unerreichbare wird in dieser Traumwelt zum Wirklichkeitsersatz. Sie verweist auf die vorgestellte Vollkommenheit der Schöpfung, den unwiderstehlichen Reiz des Märchenhaften, dient als Grundlage für gesellschaftliche Utopien und ist eine Inspirationsquelle für die Kunst. SEHNSUCHT als VISION Rollen, Normen und Erfolge. Es geht um „die Ursehnsucht des Menschen nach dem ganz Anderen, nach der Wirklichkeit des Göttlichen in der Welt der Menschen, den Chancen, das Paradies wieder zu finden, aus dem wir vertrieben worden sind“, um den „Aufbruch der 68er Jahre und sein Scheitern, die religiöse Sehnsucht der 70er, die sich in allen möglichen Gruppierungen und religiösen Bewegungen gezeigt hat“, wie es im Buch heißt. jeder Hinsicht klüger, gesünder, freudvoller und lohnender ist, nicht zu heiraten. Dies ist jedoch kein Plädoyer gegen die Ehe, so die Autorin: Es gibt sie wohl, die erfüllende Beziehung, in der unsere innere Sehnsucht nach Geborgenheit sich wundervoll mit dem ebenso großen Bestreben nach Freiheit verbinden lässt. Die wirkliche Realisierung der wahren Sehnsucht benötigt keinen Trauschein, jedoch Respekt, Aufrichtigkeit, Vertrauen, Nähe und eine Portion Distanz. Sehnsucht beflügelt zur gleichen Zeit neue visionäre Ideen: Beschrieben in Sepp Kuffers Buch „Eine Sehnsucht schlägt uns wund: Vom 68er Mythos zum Evangelium“. Sein Augenmerk gilt jener Sehnsucht, welche Menschen zu Aufbrüchen und Umbrüchen treibt, die sie unzufrieden und ruhelos sein lässt, weil sie fühlen, dass ihr Leben mehr von ihnen will als die ihnen zugewiesenen SEHNSUCHT UND Beziehung „Die Sehnsucht nach der romantischen Liebe“ hört sich im Titel von Felicitas von Lovenbergs Buch so an: „Verliebe dich oft, verlobe dich selten, heirate nie“. Lovenberg zeigt die ungewöhnliche Evolutionsgeschichte der Zweisamkeit auf und kommt dabei zu dem Schluss, dass es in George Kinder gibt in seinen Tipps für die Lebensplanung einen wertvollen Hinweis: „Jeder von uns trägt eine heimliche Sehnsucht in sich – eine Sehnsucht, die im Laufe der Zeit und des Lebens oft zu einem heimlichen Bedauern wird … Nur wenn wir in der Lage sind, an der Erfüllung unseres Herzenswunsches zu arbeiten, ist unser Leben wirklich erfüllt und lebenswert.“

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