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BOLD THE MAGAZINE No.10

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ÄSTHETIK

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40 | BOLD THE MAGAZINE Kunst & Kultur | im Gespräch über die Vorfreude, sich nach einem harten Aufstieg in eisiger Kälte über eine warme Suppe herzumachen. Im Grunde habe ich immer Hunger. Zum Glück ist mein Magen unverwüstlich, eine Art Kampfschwein, was ich auf meinen Reisen in Indien mehrfach erproben konnte. Und wozu der Mann mit der Waffe? Er wurde mir angeraten. Ich hoffe nur, dass er wegen der wilden Tiere mitkommt und nicht wegen der Menschen. Was erhoffen Sie sich von einem solchen Trip? Fremde, extreme Orte haben mich schon immer fasziniert, wenn das Leben einerseits dem Bekannten ähnelt, sich dann aber doch als ein ganz anderes herausstellt. In den Alpen kann ich ganz schnell eine Brücke von mir zu den Menschen herstellen. Egal, ob es Italiener, Schweizer, Deutsche oder Franzosen sind. In Äthiopien geht das nicht ohne Weiteres. Auf ein paar tausend Metern Höhe werden Sie wohl eher auf besondere Tiere, Pflanzen und Gestein als auf Menschen treffen. Daher reise ich gern mit anderen Menschen, einer Crew. In Nepal gehörte es zu meiner großen Freude, in einer überirdisch schönen Landschaft zu laufen, die wegen ihrer Höhe die Alpen wie eine Sandburg aussehen ließ, und gleichzeitig mit den Leuten zu lachen und gemeinsame Erfahrungen zu machen. Wie hoch sind Sie gestiegen? Bis zu 6.000 Meter. Würden Sie sich die Besteigung des Mount Everest zutrauen? Von der Sportlichkeit her ja. Inzwischen ist das fast zu einem Breitensport geworden. Nur habe ich keine Lust dazu. Für mein Ego brauche ich das nicht. Ehrlich gesagt waren schon die 6.000 Meter Höhe eine Art Höllentrip. Ich wollte zu schnell zu hoch klettern und hatte plötzlich 41 Grad Fieber. Und damit musst du dann trotzdem zum nächsten Camp weiterlaufen. Also wozu? Es war ein einschneidendes Erlebnis. Heute denke ich, dass ich da oben nichts zu suchen hatte. Zwar liegt dieses Grenzüberschreiten in unserer Natur, aber ich will das nicht mehr um jeden Preis. Wenn das für Sie eine prägende Erfahrung war, warum setzen Sie sich dann erneut einer schwierigen Bergtour aus? Keine Angst vor Keimen, erneutem Fieber? In diesen Höhen gibt es keine Keime, nur unten in den Subtropen schwirren die herum. Letztendlich glaube ich aber, dass es mit der inneren Einstellung zu tun hat, wie ich damit klarkomme. Ich muss Regeln einhalten, mich auf eine reduzierte Welt einlassen. Das finde ich spannend. Wenig Gepäck. Wenig Ablenkung. Dein Schweigen und ein paar grasende Schafe vielleicht. Auch die Gedanken werden existentiell. Wobei es der Begriff: „einfacher“ doch besser beschreibt. Man muss es sich erarbeiten! Ich kenne nichts, was mich mehr erdet. Da, in der Kälte, mit tränenden Augen, den Wind im Gesicht, bin ich einfach entrückt vor Glück. Auf jeden Fall bin ich da der Schöpfung näher als auf der Karl- Marx-Straße. Das klingt ja schon fast pathetisch nach einem Augenblick der Erleuchtung ... Und ob! Kennen Sie Kensho? ... hört sich an wie „Kenzo“, also nein. Kennsdu, Alter? Soweit ich weiß, ist Kensho eine kleine Erleuchtung. Oder auch Satori genannt. Das wiederum hört sich nach scharfer indischer Sauce an. Bestimmt gibt es das auch als Kampfsportkette.. Das sind so kleine Momente des Glücks. Wie haben die sich geäußert? Wie kann man das beschreiben? Das Glück, zu sein. Wo sitzt dieses Gefühl? In der Brust! Hatten Sie auch schon in der Karl-Marx- Straße dieses Kensho-Gefühl? Wahrscheinlich, weil es fürs Glück doch auch verschiedene Wege gibt. Jetzt tun Sie nicht so, als würden Sie das nicht kennen! Wenn Sie in die Augen des geliebten Menschens schauen und Sie endlich mal wieder einen schönen Tag hatten, nachdem Sie sich so oft gestritten hatten. Vielleicht ist das Ganze aber auch ein rein chemischer Prozess, wenn man diese funkelnden Sternchen in ein paar tausend Metern Höhe sieht.

BOLD THE MAGAZINE | 41 Foto: Majestic Film, Filmszene: „Nordwand“ Was ist größer, der Reiz des Risikos oder die Suche nach dem Glück? Wenn ich Erleuchtung wollen würde, müsste ich mein ganzes Leben mehr in Richtung der Meditation ausrichten. Partiell ist das schon mein Alltag. Aber in Wahrheit scheitert meine Selbstdisziplin oft an meinen Zielen. Dazu trinke unheimlich gern Rotwein. Ich schlage nur zu gern über die Stränge und genieße das Leben in all seinen Facetten. Ab und zu aber möchte ich innehalten. Mich um nichts kümmern. Von Hesse stammt der schöne Satz: „Ich habe aufgehört, in den Büchern nach den Antworten zu suchen. Stattdessen habe ich angefangen, den Lehren zu lauschen, die das Blut in meinen Adern rauscht.“ Insofern bedeutet für mich unterwegs zu sein: es rauschen zu lassen. Ich bin jedes Mal aufgeregt wie ein Kind, wenn ich irgendwo auf der Welt aus dem Flugzeug steige und merke, dass die Anderen meine Begeisterung und Neugier teilen. Vielleicht sind die auch begeistert, weil Sie der eine oder andere wiedererkennt? Das ist mir in Patagonien passiert. Dort gibt es dieses fantastische Eisfeld, das etliche Postkarten ziert, ein Traum. Der größte Gletscher weltweit, Eis, wohin du blickst, neben Grönland und der Arktis die größte zusammenhängende Eisfläche der Welt. Wir also hatten gerade den „Rio electrico“ hinter uns gelassen, allein schon dieser Name! Wir hatten just unser Camp für die Nacht installiert, um am nächsten Morgen auf den Pass hinauf zu steigen. Es gab zwei andere Zelte in vielleicht achtzig Metern Entfernung. Plötzlich kommt ein Tiroler rüber und starrt mich wie ein Auto an: Bischt du nett der Benno Fürmann? Dann war’s mit der Privatheit aus. Klar, haben wir uns beide gefreut. Du denkst, du bist am obersten Ende der Welt angekommen, weit weg von allem, im Rausch. Aber den hat es mir ehrlich gesagt auch ein bisschen versaut. Augen auf bei der Berufswahl! Das ist halt der Preis, den man zahlen muss. (Geht kurz in die Küche und kommt mit einer Flasche guten Bioweins wieder.) Hand aufs Herz: Spielen Sie in der Öffentlichkeit eine Rolle, auch um sich selbst zu schützen? Ich versuche, niemanden, auch mich, nicht in diesen öffentlichen Momenten zu bullshitten. Das läuft darauf hinaus, dass ich eben nicht die ganze Zeit mein Herz voll aufmachen und ich selber mit allen meinen Stärken und Schwächen sein kann. Es sind immer nur Facetten, die man von seiner Persönlichkeit zeigt. Ich habe jedoch Augenblicke erlebt, in denen ich irgendwann von dem „Fürmann“ zu „halt Benno“ mutiert bin und Begegnungen eine Normalität bekommen haben. Gerade am Berg gibt es Wichtigeres, als dauernd zu denken, was der andere eigentlich beruflich treibt. Was denken Sie, wenn Sie eine Frau in der Bar anspricht? Dass sie Sie als Person oder als Star meint? (Lacht) Ich denke mir: Die will dich jetzt nur deines Körpers wegen. Aber viel weiter denke ich dann ehrlich gesagt nicht. Und im Ernst: Wie misstrauisch wird man als öffentliche Person? Natürlich schaut man genauer hin, warum sich jemand so überschwänglich freut, sobald er einen kennenlernt. Aber ich kann mich an die andere Perspektive sehr gut erinnern, als ich damals in New York war und plötzlich neben Robert de Niro stand und sich meine Herzfrequenz schlagartig beschleunigt hat. Oder Grace Jones am Deli. Ich finde es interessant zu beobachten, wie sich mit dem jeweiligen Film und Alter auch die Zielgruppe ändert, die dann im öffentlichen Raum auf einen reagiert.

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