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BOLD THE MAGAZINE No.10

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ÄSTHETIK

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42 | BOLD THE MAGAZINE Anfang zwanzig hatte ich viele weibliche Teeniefans, deren männliche Begleiter zum Beispiel immer schön abwertend reagiert haben, frei nach dem Motto: Wer ist denn dieser Typ überhaupt? Muss man den kennen? Ich selber habe dann nicht immer Lust darauf hinzuweisen, dass ich eigentlich total nett und unkompliziert bin. Kennen Sie auch die gegenteilige Angst, irgendwann nicht mehr auf der Straße erkannt zu werden? Das denke ich vor allem, wenn es mich nervt, im Restaurant angestarrt zu werden. Wenn einer fragt, ob er ein Foto mit mir machen kann, und ich habe gerade eine katastrophale Nacht hinter mir. Dann schreibe ich lieber ein Autogramm. Ich habe kein Recht zu meckern, sonst müsste ich einen anderen Job ergreifen. Diesen Gedanken, den du ansprichst, kenne ich nur, um mir wieder mal klarzumachen, was ich eigentlich an der Aufmerksamkeit der Anderen habe. Wenn man sich die lange Reihe Ihrer Rollen ansieht, fällt schon auf, dass Sie meistens den Heldentypus darstellen. Gleichzeitig sind es Figuren, die stark vom Schicksal beeinflusst sind. Auch Ihr eigenes Leben ist geprägt von diversen Schicksalsschlägen. Gibt es Augenblicke, in denen Sie merken, dass Ihr Leben selbst zu einem Film mutiert? Wie ein Film? Ich habe es mir teilweise schon extremer abgeholt als andere. Meine Eltern sind früh verstorben. Als Jugendlicher hatte ich einige saftige Drogenerfahrungen. Der Autounfall, den ich 2011 verursacht habe, war auch kein Blechschaden, es gab einen Schwerverletzten. Ich glaube schon, dass ich eine Portion bin. War das eine Antwort auf Ihre Frage? Vielleicht muss ich die Frage auch anders formulieren: Existiert eine Art schicksalhafter Verknüpfung zwischen Ihrem Leben und Ihren Rollen? Ich stehe darauf, Rollen zu mir zu holen. Ich bin kein Schauspieler, der dann am besten ist, wenn er die zu spielende Person möglichst weit weg von sich selbst hält. Der die Rolle von seinem Leben abkoppelt. Ich mag es, wenn die Rolle mit dem korrespondiert, was mich selbst im Leben umund antreibt. Vielleicht trifft es das am ehesten. In „Wolfsburg“ haben Sie einen Mann gespielt, der mit seinem Auto den tödlichen Unfall eines Jungen verursacht. Jahre später waren Sie selbst in einen schweren Autounfall verwickelt ... Da sehe ich keinen Zusammenhang. Ich habe auch schon Mörder gespielt und sitze jetzt nicht im Knast. Schicksal, Zufall, wie auch immer. Bei „Wolfsburg“ kann man diese Analogie schon herstellen, aber bei anderen Filmen wird einem das nicht so ohne Weiteres gelingen. Als Sie vom Erlebnis auf dem Berg erzählten, hatte ich schon den Eindruck, dass Sie sich stark mit Glaubensfragen auseinandersetzen ... Total. Aber es ist schwierig, darüber zu sprechen. Es stellt für mich einen Bereich dar, der sich den Worten entzieht. Ich bin atheistisch erzogen worden, bin aber im Laufe der Jahre an einen Punkt gelangt, wo ich in mir eine andere Kraft empfunden habe, die mich mit der Welt verbindet. Ich glaube daran, dass Gott etwas ist, was uns alle miteinander verbindet. Jeder hat dafür ein anderes Wort gefunden: Energie, Kraft, Gott. Die Reisen helfen mir dabei, einen Zustand zu zelebrieren, in dem ich auch meine Dankbarkeit, diese Art von Glück leben kann. Früher brauchte ich dazu Einsamkeit, heute reise ich lieber mit einem guten Freund, um

Kunst & Kultur | im Gespräch BOLD THE MAGAZINE | 43 das zu teilen. Vielleicht zeigt sich auch darin die Beschäftigung mit Glaubensfragen, dass ich sozialer geworden bin. Die Frage nach dem Glauben führt bei vielen aber eher dazu, dass sie sich vom Anderen, der an etwas Anderes glaubt, distanzieren ... Das stimmt. Das ist noch ein ganz anderes Thema. Mich beschäftigt gerade, welche sozialen Reisen ich erst veranstalten werde, sobald meine Tochter achtzehn ist und ich viel länger unterwegs sein kann. ... und zwar? Ich möchte ein Jahr im Schweigekloster verbringen. Als ich das meiner Tochter erzählt habe, formte sich in ihren Augen erst mal ein Kreis der Angst. Dann jedoch hatte sie einen Geistesblitz und fragte, was ich denn da essen wolle. Weil bei mir normalerweise keine Mahlzeit vergeht, in der ich nicht schon von der nächsten rede. Essen und reden gehören bei mir wie gesagt zusammen. Als ich dann behauptet habe, dass ich eben karges Essen zu mir nehmen würde, platzte sie heraus: Das schaffst du nicht! Daraufhin hat sie mich nicht mehr ernst genommen. Sie haben bereits 10 Tage in einem Schweigekloster verbracht. Können Sie sich noch an das erste wieder gesprochene Wort erinnern? Nein, aber ich weiß noch, dass ich mir dafür extrem viel Zeit gelassen habe. Ich wollte diesen Kreis der Stille eigentlich nicht verlassen. Ich meditiere ja auch sonst viel. Dieser innere Raum muss doch genauso kultiviert werden wie alle anderen Aktivitäten. Das gemeinsam mit anderen Gleichgesinnten zu praktizieren, strahlt für mich eine große Ruhe aus. Trifft man da nicht auf seltsame Sinnsucher und schräge Vögel? Sagen wir Exzentriker. Die finden Sie auch hier: heute Yoga, morgen Rebirthing, dann Channeling und im Anschluss unbedingt noch den Guru umarmen. Das ist dann fast schon wieder Stress. Dieses Um-sich-selberkreisen strengt doch an! Trotzdem muss ich sagen, dass das gemeinsame Schweigen verbindet. Liegt vielleicht daran, dass wir dort in Indien alle die gleichen Regeln befolgten. Nur zwei waren wie ich Weißnasen, die anderen hauptsächlich Inder. Die scherten sich nicht darum, einfach lautstark zu furzen oder zu rülpsen. Das hat Sie nicht aus der spirituellen Ruhe gerissen? (Lacht.) Ich bin tatsächlich einmal zum Meister gegangen und habe über meine unerträglichen Rückenschmerzen geklagt. Ich wollte ein anderes Sitzkissen oder mich zumindest beim Meditieren an die Wand lehnen dürfen. Ich wusste um diese Ausnahmesituation. Ich hatte ja zu Beginn alles abgegeben, was meinen Verstand hätte ablenken können, Kugelschreiber, Papier, Haargel, iPod. Ich stand derart unter Schmerzen, dass ich bereit gewesen wäre, ansonsten das Kloster zu verlassen. Mit seiner Seelenruhe schaute er mich nur an und sagte: „You’re a strong man. I can see that.“ Damit hatte er mich natürlich voll bei meiner männlichen Ehre gepackt. Danach habe ich mich für einen Moment lang wie im Knast gefühlt, wo man mit zusammengebissenen Zähnen die Tage an der Wand durchstreicht. Welche Moral haben Sie für sich aus dieser Erfahrung gewonnen? Ganz einfach: ich habe mir erlaubt, mich innerlich zu erweitern. Es war wie eine starke emotionale Berührung. Es gibt auch unangenehme Berührungen dieser Art. Einmal saß ich in Nordfrankreich unter einem unendlichen, geradezu erschlagenden Sternenhimmel und hatte auf einmal diesen Gedanken von Vergeblichkeit, dass man im Grunde doch nur ein winziger, machtloser Mensch ist. Ich kenne viele, die Ähnliches berichten. Das verstehe ich überhaupt nicht! Das ist jedoch nicht meinem Riesen-Ego geschuldet. Was meinen Sie, wie es dem kleinen Stern inmitten all der anderen Sterne ergeht? Vergleicht der sich mit anderen und stellt sich selbst in Frage? Jeder einzelne Stern hat seine Berechtigung. Genauso empfinde ich das für uns. Auch wenn ich nun Gefahr laufe, als der große Exzentriker dazustehen: Wenn ich in den Sternenhimmel blicke, fühle ich mich aufgehoben. Sie engagieren sich seit vielen Jahren für verschiedene karitative Organisationen wie amnesty international, Unicef- Flüchtlingshilfe. Zuletzt haben Sie

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