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BOLD THE MAGAZINE No.10

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ÄSTHETIK

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44 | BOLD THE MAGAZINE Kunst & Kultur | im Gespräch mitten im Syriendesaster um Spenden für den Südsudan geworben und gesehen, wie schwer es um die Generierung von Aufmerksamkeit steht. Kein Gefühl von Vergeblichkeit, das Kämpfen gegen Windmühlen? Das wiederum kenne ich auch. Daher schätze ich Aktionen wie die von amnesty, mit dem Prinzip des Briefmarathons, wozu dann 50.000 oder 150.000 Leute Briefe an die jeweilige Regierung oder Behörde schreiben, um ihren Protest zu übermitteln. Wenn man die alle zusammen nimmt, sind es ein paar Millionen, die etwas bewirken. Mich hat eine Geschichte beeindruckt: Joey Simpson, Bergsteiger und Autor von „Touching the Void“, ist einmal in einer Gletscherspalte verunglückt, nachdem ihn sein Kumpel nach zwei Stunden ohne Lebenszeichen vom Seil geschnitten hat. Da lag er dann mit gebrochenen Knochen im Eis und kämpfte sich auf seinen Ellbogen robbend zwei Tage lang zurück in die Zivilisation. Er hat genau das Richtige gemacht, indem er sich immer kleine Ziele setzte und immer nur an die Strecke der nächsten 10 Minuten gedacht hat, sonst hätte er das wahrscheinlich auch nicht geschafft. Jetzt stehen wir quasi wieder mitten am Berg. Sie haben gesagt, dass die Reisen für Sie eine Art sind, Ihre Dankbarkeit zu zeigen. Aber ist es nicht einfach auch eine Form von Egoismus, weil man da, wie Sie meinten, eigentlich auch nichts zu suchen hat? Linie ist man für sich selber verantwortlich. Nehmen Sie das Beispiel eines Flugzeugabsturzes. Zuerst musst du die Atemmaske zu dir ziehen, dann erst hilfst du deinem Nachbarn. Das fand ich immer schon Blödsinn. Keine Frage: Ich würde immer erst meinem Kind die Maske aufziehen, dann mir. Genau. Stellen Sie sich vor, dass dann Ihr Kind zwischen all den Trümmern überlebt, Sie aber nicht. Wer kümmert sich dann? Wenn ich überlebe, aber mein Kind ist tot – diese Vorstellung allein ist nur schrecklich. Ein anderes Beispiel: Beim Tsunami 2004 in Thailand kannte ich ein Elternpaar; beide hielten sich im Chaos irgendwo fest und sahen gerade noch, wie sich ihre kleine Tochter an eine Palme klammerte. Sie konnte nicht schwimmen. Der Vater löste sich, um ihr zu helfen, beide ertranken. Die Mutter überlebte. Ich muss Ihnen nicht sagen, an welcher Stelle ich gewesen wäre: Ich würde sofort mein Leben für meine Tochter geben. Aber bei solchen Gedankenmodellen geht es nicht um den Instinkt, sondern um die Frage nach dem, was das Klügste in dieser Situation ist. Für das Kind hatten Sie gerade eine Träne im Auge ... Das kommt vom Wein ... oh je, wie unprofessionell. Luft holen und auf eine andere Ebene kommen: Wann waren Sie das letzte Mal außer sich? Letzte Woche. Meine Familie hat mir nachträglich zum Geburtstag einen Kindle geschenkt. Ich freue mich über diesen Reader. Ich kann damit meine E-Mails runterladen. Aber dann habe ich gemerkt, dass der die gleiche Größe wie ein iPad mini hat. Was ist denn da jetzt besser? Dann ging es los in meinem Kopf. Die Erfahrungsberichte von Freunden wurden zu Rate gezogen. Auf einmal steckte ich mitten in einer völlig unnötigen Konsumschleife fest. Meine Welt war in Ordnung, bis ich dieses Geschenk bekam. Ich bin schlimmer Weise ein Optimierer. Das Messer, das ich mir gekauft habe, besitzt die beste, absolut rostfreie Klinge, die sich schon bei zarter Berührung öffnet. Aber kaum sehe ich eins, das besser wirkt, kann ich händeringend versuchen, es zu ignorieren. Es gelingt mir nicht. Seltsamerweise scheint das ein Problem von vielen Männern zu sein, sich mit diesen Produktvergleichen auseinanderzusetzen. Gab es denn auch mal einen Moment, in dem Sie eine Frau sein wollten? Klar, beim Sex (lacht laut schallend) ... und dann mit mir schlafen. Verstehe. Und im Ernst? Bescheidenheit hat viele Gesichter: Ich bin mir doch auch was schuldig. In erster Wir sind also am Bodensatz angelangt. Lassen Sie uns lieber mal schnell Ich meine schon, dass der Perspektivwechsel eine tolle Erfahrung wäre, um quasi

BOLD THE MAGAZINE | 45 den Kreis zu schließen. Damit es ein neues Verstehen auslöst – wirklich, das fände ich sehr reizvoll. Geschlechtsteile geborgt haben, und gehen mit einer gewissen Leere wieder nach Hause. Wenn es schlecht läuft. Haben Sie einen Schwips? Ja. Würden Sie Ihrem männlichen Partner einen Orgasmus vorspielen? Ich beziehe mich jetzt auf eine Filmszene mit Ihnen und Jessica Schwarz aus „Warum Frauen nicht einparken können und Männer ...“ Natürlich nicht. Ich würde Mittel und Wege finden, einen zu haben. Grundsätzlich halte ich diesen ganzen Performancedruck bei beiden für furchtbar. Ein guter Freund meinte neulich zu mir, dass sich Liebe und Sex heutzutage komplett voneinander losgekoppelt hätten. Das stimmt. Es geht eben nicht mehr darum, sich gemeinsam einen Raum zu schaffen, sondern darum, wie man es schafft, die Erwartungen des Anderen zu erfüllen. Sie schauen mich gerade an, als würde ich den größten Quatsch reden. Ich verstehe diesen Leistungsdruck nicht. Letztendlich dreht es sich hier um ein großes Missverständnis. Der Mann performt, was er denkt, was die Frau erwartet. Die Frau performt, was sie meint, was der Mann erwartet. Schließlich enden beide in absoluter Einsamkeit, nachdem sie sich ihre Zum Glück haben Sie noch den letzten Satz hinzugefügt ... Ich muss jetzt wieder vom Berg anfangen. Sie meinten doch, dass man ihn in erster Linie der eigenen Lust wegen besteigt. Um dann ein großes Gefühl von Gemeinsamkeit zu erleben. Kann man das nicht auf die Frage nach der Sexualität übertragen? Ganz klar, es schärft die Sensibilität gegenüber anderen. Puh! Das ist aber jetzt wirklich mal ein Thema ... Ich muss die Kassette meines Diktiergeräts wechseln. Fast habe ich das vergessen. Das liegt bestimmt am Thema. Und prompt habe ich auch noch die falsche Seite eingelegt! Benno will helfen und damit sind wir dann voll in der weiblichen Schublade gelandet. ... das mache ich nur, damit Sie sich stärker fühlen. (lacht) Herzlichen Dank! Das ist dann wohl der Klassiker. Ich auch. Da werde ich vorsichtig. „Der Kontrolleur“! Dann hören wir lieber auf. Eine letzte Frage habe ich aber noch: im Film über das Oktoberfestattentat von 1980, der im Herbst im Fernsehen läuft, spielen Sie einen investigativen Journalisten ... Welche Frage würden Sie sich denn zum schönen Abschluss stellen: „Was macht eigentlich Benno Fürmann“? Sagt’s und lacht sein warmherzigstes Lachen. Wir werden noch eine ganze Weile lang trinken und reden, über typische Männer und Frauen, Franzosen und Chinesen, political correctness, die besten Italiener der Stadt und seinen Lieblingssessel, den ihm Nicolette Krebitz geschenkt hat. Außerdem mache ich noch ein paar Schnappschüsse, um die Szenerie möglichst authentisch zu dokumentieren. Dann aber muss Benno Fürmann noch ein paar E-Mails schreiben, alles einpacken und essen gehen. Es ist spät geworden. Die Luft draußen ist klar, aber auch ein wenig berauscht.

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