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BOLD THE MAGAZINE No.17

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48 | BOLD THE MAGAZINE REISE | INDIEN Indische Kobra im Dorf der Schlangenbeschwörer. Fotos: M. Winckler, Rajasthan Tourism

REISE | INDIEN BOLD THE MAGAZINE | 49 Das Dorf der Schlangenbeschwörer ist erwacht. In Decken gehüllt lassen sich Frauen, Männer und Kinder vor ihren niedrigen, strohgedeckten Hütten von den ersten Sonnenstrahlen wärmen. Trinken heißen, mit Kardamom gewürzten Tschai und tunken Chapati in Raita (Joghurt mit Zwiebeln, Chili und der Gewürzmischung Garam Masala). So früh hat Shashi, das Familienoberhaupt, nicht mit Besuch gerechnet, zumal sich Gäste aus dem Ausland ohnehin fast nie in seinen Ort verirren. Wir hätten das Dorf der Schlangenbeschwörer nicht gefunden, wären noch nicht einmal auf die Idee gekommen, eins zu suchen, wäre uns beim Frühstück im Samode Palace, rund eine Autostunde von Jaipur, (Hauptstadt von Rajasthan) entfernt, nicht Mohan begegnet. Mohan ist Großgrundbesitzer und beliefert die Nobelherberge – ein wunderbar hergerichteter alter Fürstenpalast zu erschwinglichen Preisen – mit frischem Gemüse. Auf seinem Handy zeigt er uns Fotos von seinem Anwesen, seiner Familie und dem Schlangenbeschwörer, der nicht weit von seinem Hof entfernt lebt und zu dem er uns führt. Shashi holt nach einer kurzen Begrüßung einen in ein Tuch gewickelten Korb aus einer Truhe. Er entfernt das orangefarbene Stück Stoff, hebt den Deckel ab, spielt nur einige Sekunden seine Flöte und bewegt sie dabei über der Öffnung des Korbs hin und her. Die Kobra richtet sich schnell auf und spreizt ihr Nackenschild. „Schlangen sind taub“, erklärt Shashi, „sie folgen nur den Bewegungen der Flöte.“ Shashi legt sein Instrument zur Seite, und die Schlange verharrt beinahe reglos in ihrer Position. Nur als sich ein Familienmitglied nach dem anderen zum Vater gesellt und sich eine Ziege nähert, bäumt sich die Kobra weiter auf, deren Biss tödlich sein kann, und fixiert die Schaulustigen, die in einem Halbkreis weniger als einen halben Meter entfernt vor der Giftschlange hocken. Plötzlich greift Shashis jüngste Tochter, knapp zwei Jahre alt, den Schwanz der Kobra, was diese zwar kurz erschreckt, aber sonst nicht weiter zu stören scheint. Auch nicht, als das Mädchen das spitze Ende des Schwanzes in seinen Mund nimmt. Vater, Mutter, Söhne und ältere Töchter lächeln, immer die Kleine im Blick, damit sie es nicht zu weit treibt. „Die Kobra ist eine gewisse Zeit bei uns“, sagt Shashi. „Wir pflegen und füttern sie, verkaufen ihr Gift an die Pharmazie und stellen daraus eine Augensalbe her. Irgendwann kommt der Zeitpunkt, wir uns bei ihr bedanken und sie wieder freilassen.“ Indien ist faszinierend und irritierend zugleich. Wir bereisen Rajasthan mit einem Mietwagen, den Fahrer Prakash steuert. Selbst die haarsträubendsten Verkehrssituationen, von denen es in Indien reichlich gibt, kommentiert er gelassen und lächelnd mit dem Spruch: „No Problem in India“. Rajasthan ist gemessen an seiner Fläche, der größte indische Bundesstaat mit fast 70 Millionen Menschen im Nordwesten des Subkontinents. Nirgendwo im ganzen Land leuchten die Farben der Saris und der aus mehreren Metern Stoff gewundenen Turbane so prächtig wie hier. Im Nordwesten kontrastiert der Farbenrausch mit der blassgelben Sand- und Geröllwüste Thar, die sich bis auf das Territorium des Erzfeindes Pakistan erstreckt, und im Südosten mit einer grau-weißen, steinigen Hügellandschaft. Prächtige Maharadscha-Paläste und die Städte teils überragende Forts erinnern an Rajputen – Kriegerklans und Feudalherren, die sie erbauten und Rajasthan, das früher aus kleinen, untereinander zerstrittenen und kriegführenden Königreichen bestand, Jahrhunderte lang beherrschten. Die Menschen in diesem wirtschaftlich und sozial rückständigen Staat sind ihren Gebräuchen, Sitten und Traditionen tief verbunden, was sich unter anderem an ihrer Kleidung zeigt. Nur selten sind etwa eine Frau in einer Jeans oder ein Mann in einem westlichen Anzug zu sehen, und wenn, sind es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Besucher aus der Bundeshauptstadt New Delhi oder der Wirtschaftsmetropole Mumbai. Frauen sind heute in Rajasthan schwer benachteiligt – Ausdruck eines starren patriarchalen, nach Kasten hierarchisierten, tiefreligiösen Systems. Eine Reise durch Rajasthan ist damit eine Zeitreise in vergangene Jahrhunderte, die anscheinend bis heute fortdauern, in die Gegenwart hineinwirken und mit ihr kollidieren. Häufig sind Pkw und knallbunt bemalte Lkw sowie Handys und

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