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BOLD THE MAGAZINE No.29

LEICHTIGKEIT

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34 | BOLD THE MAGAZINE TRAVEL | THAILAND Zum Four Seasons gelangen die Gäste in einem schmalen Boot. An der Anlegestelle führt ein Ranger die Kunden steile Stufen hinauf zur nach allen Seiten hin offenen Rezeption, deren von Elefantenskulpturen geschmückte Holzterrasse den Blick freigibt auf die von Bäumen bestandenen Berge in Myanmar und Laos. Gegenüber dem Hotelterritorium am sandigen Ufer des Ruak auf der burmesischen Seite findet sich täglich zum Sonnenuntergang eine Wasserbüffelherde zum Baden ein. Die Gäste wohnen in luxuriösen, weit auseinander liegenden Zelten, die mit antikem, handgearbeiteten Mobiliar ausgestattet sind und deren Terrassen über einem grünen Abgrund zu schweben scheinen. Nur 15 solcher Zelte mit Fernblick gibt es auf dem Gelände. Abends führt ein Ranger die Gäste vom Restaurant, das weder Fenster noch Türen hat, oder der Dschungelbar, zu welcher der Besucher am anderen Ende des Areals über eine Hängebrücke gelangt, mit einer Petroleumlampe zu ihrem Domizil. Der nächtliche Spaziergang treibt einem den Schweiß auf die Stirn, man hört Vogellaute, kreischende Affen, ein Knacken im Unterholz - die scheuen Dschungelbewohner sind nachtaktiv. Im Anantara Resort wohnen Urlauber in dreigeschossigen Gebäuden, deren Architektur der urwüchsigen Landschaft angepasst ist. Geräumige Zimmer und Suiten sind im traditionellen Thai-Stil eingerichtet. Von den Balkonen und Terrassen sowie dem Infinitypool reicht Weisheit. Für das Königshaus sind sie ein Symbol der Macht. Im historischen Park der alten Reichsstadt Sukhothai (13.-15. Jahrhundert) etwa bilden Elefantenskulpturen aus Stein den Sockel eines Chedis. Landesweit begegnet der Reisende in Tempelanlagen solchen Zeugnissen der engen Verbindung von thailändischem Buddhismus und der Verehrung von Elefanten. Der weiße Elefant ist den Thai heilig. Er war einst das Wappentier von Siam, wie Thailand früher bezeichnet wurde. Nur der König hat Anspruch auf weiße Elefanten, zur Arbeit durften sie nie eingesetzt werden. Elf weiße Elefanten besitzt der König angeblich heute. Um 1900 sollen 100.000 Elefanten in Thailand gelebt haben, 1950 rund 50.000. Heute lebten in Thailand 1.500 bis 2.500 Tiere auf mehrere Bestände verteilt in Freiheit, sagt Roberts. Ihr Überleben in den Naturreservaten müsse gesichert, ihr Wachstum ermöglicht werden. Dazu müssten Wilderei, die in Thailand das Überleben der Elefanten allerdings weitaus weniger gefährde als in Afrika, und illegale Waldrodung bekämpft werden, fordert Roberts. Nur noch ein Fünftel der Fläche Thailands ist mit Dschungel, dem natürlichen Lebensraum des Elefanten, bedeckt. Ende des 19. Jahrhunderts waren es 70 Prozent. Etwa 3.500 Elefanten seien heute unter menschlicher Obhut, davon immer noch 800 als Arbeitselefanten in der legalen und illegalen Holzindustrie, wozu es Roberts zufolge überhaupt keine Rechtder Blick bis zu den Bergen des Mekong und Elefanten auf einer Weide. 22 Dickhäuter mit ihren Mahouts leben auf dem Gelände. Die Golden Triangle Asian Elephant Foundation arbeitet mit den Hotels zusammen, „die notleidenden Elefanten ein möglichst artgerechtes Überleben sichern“, sagt Stiftungsgründer John Roberts. Der Stiftung gehört außerdem ein 18.000 Hektar großes Waldgebiet in Kambodscha, in dem wilde Elefanten leben. Die Organisation fördert darüber hinaus ein Forschungsprojekt, das untersucht, inwieweit Elefanten an Autismus leidenden Kindern helfen können. Das Elefantencamp des Anantara und Four Seasons rette Dickhäuter, die zuvor auf den Straßen Bangkoks bettelten, in Cabaretshows des Rotlichtviertels von Pattaya aufgetreten oder in schlecht geführten Camps missbraucht worden seien, sagt Roberts. Die Kombination aus Luxushotels und Elefantendomizil sei der Beweis dafür, dass Tourismus und artgerechte Elefantenhaltung sich nicht widersprechen, sondern sehr gut funktionieren könnten, betont Roberts. „Die Gäste lernen über Elefanten und Mahouts und sichern deren Existenz.“ Nicht mehr das Reiten im Nacken eines Elefanten, sondern ein Spaziergang mit den Dickhäutern sei sehr beliebt und würde heute gefördert, fügt der Stiftungschef hinzu. Thailänder verehren Elefanten seit Jahrhunderten als Symbole für Glück und

TRAVEL | THAILAND BOLD THE MAGAZINE | 35 fertigung mehr gebe. Seitdem in Thailand 1989 die Rodung des Dschungels verboten wurde, stehen viele Mahouts und ihre Elefanten vor einer existenzbedrohenden Situation. Domestizierte Elefanten könnten in Thailand schon deswegen nicht ausgewildert werden, weil ihr natürlicher Lebensraum extrem reduziert sei und immer wieder Konflikte entstünden zwischen Bauern, die landwirtschaftliche Anbaugebiete vergrößerten, und Elefanten, die auf Raumund Nahrungssuche die Ernte oder Teile davon vernichteten, sagt Roberts. Das Überleben des thailändischen Elefanten könne nur sichergestellt werden durch den Schutz der Naturreservate, in artgerechten Camps und durch den Tourismus. Ein radikaler und kompromissloser Elefantenboykott durch die Tourismusindustrie, wie von manchen Tierschutzorganisationen gefordert, sei der falsche Weg. Viele Elefanten in Thailand hätten nur im Tourismus eine Überlebenschance, betont Roberts. Tourismusunternehmen müssten dafür sorgen, dass ihre Kunden nur Camps besuchten, in denen die Dickhäuter artgerecht lebten. Missstände müssten beseitigt werden, unterstreicht Roberts. „Wo sollen die Dickhäuter, die im Tourismus schon zuhause sind, sonst hin?“, fragt der Experte. Zur Zeit gebe es keine Alternative. Tierschutzorganisationen wie der World Wild Fund for Nature, Pro Wildlife oder Peta lehnen jeden direkten Kontakt zwischen Touristen und den Dickhäu- tern wie Elefantenreiten, -trekking oder zirkusähnliche Vorführungen strikt ab. Einzig das Beobachten von Elefanten aus der Ferne in Naturparks oder der Besuch von seriösen Auffangstationen, in denen die Tiere im Gruppenverband artgerecht und ohne Ketten gehalten werden, ist aus ihrer Sicht legitim. Die Tourismusbranche in Deutschland hat inzwischen auf die Situation reagiert. Auch wurde sie vermutlich aufgeschreckt von tödlichen Unfällen beim Elefantenreiten. Thailändische Medien berichten von mehreren Fällen jährlich. So hat DER-Touristik im Januar eine Tierschutzrichtlinie beschlossen, die verbindliche Kriterien und Standards für alle Produktangebote mit Tierbegegnungen festlegt. „Wir nehmen die Kritik der Tierschutzorganisationen sehr ernst und werden alle Tiereinrichtungen auf Einhaltung der Kriterien überprüfen und unser Angebot sukzessive anpassen“, sagt die Nachhaltigkeitschefin von Europas drittgrößtem Reisekonzern, Ulrike Braun. Elefantenreiten etwa werde künftig nicht mehr angeboten. Tui hat nach eigenen Angaben seit 2015 alle nicht elefantenfreundlichen Ausflüge wie Elefantenreiten und -shows aus dem Programm gestrichen. Es werden nur noch Ausflüge angeboten, bei denen die Elefanten in einem natürlichen Lebensraum unter professioneller Führung beobachtet werden können, wie in Nationalparks oder in Stationen, die keinen direkten Kontakt zwischen Besuchern und Tieren anbieten. In Thailand unterstützt Tui bei Chiang Mai den Elephant Nature Park, wo misshandelte und verletzte Elefanten Zuflucht finden. Touristen besuchen die Dickhäuter in ihrem natürlichen Lebensraum, lernen über ihr Verhalten und nehmen an „tierfreundlichen Exkursionen“ teil. Thomas Cook, Europas zweitgrößter Reisekonzern, hat seit Oktober 2015 das Reiten auf Elefanten oder Shows mit den Dickhäutern aus dem Programm genommen. „Damit bekennen wir uns deutlich zum Schutz von Elefanten“, sagt die Nachhaltigkeitsbeauftragte Friederike Grupp. WEITERE INFORMATIONEN: www.thailandtourismus.de www.helpingelephants.org EINREISE: Deutsche Staatsangehörige erhalten bei der Einreise ein vier Wochen gültiges Visum. EMPFEHLUNG HOTEL: Four Seasons Tented Camp www.fourseasons.com Anantara Golden Triangle Elephant Camp & Resort www.goldentriangle.anantara.com BESTE FLUGVERBINDUNG: www.thaiairways.com www.bangkokair.com

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