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BOLD THE MAGAZINE No.30

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PROGRESSION

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28 | BOLD THE MAGAZINE DESIGN | IM GESPRÄCH Der Mann trägt Schwarz, komplett, von oben bis unten. Mittelgroß ist er, zurückhaltend in der Art, wie er am Ende des Raumes steht. Auffallend ist in erster Linie seine markante Brille, Marke Mykita Mylon aus dem 3D-Drucker, und die Aufmerksamkeit, mit der er sein Umfeld beobachtet. Wer sich ihm nähert, entdeckt sofort die klaren, wachen Augen, denen nichts entgeht – und die Intelligenz des Mannes, der sich ganz souverän und ohne Effekthascherei auf vielen Parketten zu bewegen weiß. Die Rede ist von Peter Schreyer, dem wohl größten Auto-Designer der Gegenwart. Fast elf Jahre ist es her, dass der einstige Designchef von Audi und VW für Kia im fernen Korea auf dem Chef- Designer-Sessel Platz nahm. Unglaublich eindrucksvoll ist die Erfolgsgeschichte, die er für den bis dahin recht profillosen Autohersteller mitgeschrieben hat: Traumhafte Wachstumsraten von 164 Prozent (2006 – 2016), Platz neun auf der Automobil-Weltrangliste, 18 Red Dot Design Preise, darunter vier „Best of the Best“-Titel. Seine Fähigkeit, maßgeblich zum Imagewandel einer Marke beizutragen und neue Ideen umzusetzen, anstatt ewige Variationen des Gleichen anzufertigen, beschreiben den Erfolg Schreyers am besten. Angetreten, um eine designorientierte Produktstrategie für die Marke Kia zu entwickeln, ist der gebürtige Bad Reichenhaller heute President & Chief Design Officer für die gesamte Hyundai Motor Group, und das als erster Nicht- Koreaner. Deshalb Ehre, wem Ehre gebührt: Zu einer „Nacht im Museum“ und einem exklusiven Round-Table- Gespräch lud Kia Deutschland kürzlich in die Pinakothek der Moderne in München und präsentierte dort, zusammen mit Peter Schreyer, zwei Meilensteine in der Geschichte des koreanischen Autobauers – Schreyers neuestes Meisterwerk, den Kia Stinger, sowie seine erste Kia Sportcoupé-Studie Kee, die vor zehn Jahren auf der IAA Premiere hatte. Derzeit ist der gelbgrüne Bolide Herzstück einer Ausstellung des ältesten Design-Museums der Welt, der Neuen Sammlung, die Design, Kunsthandwerk und Plakate aus Südkorea zeigt. Schreyer selbst hat die Ausstellungsleihgabe genehmigt und hält es „für eine Wahnsinnsehre, in der Pinakothek ausgestellt zu sein. Vor zehn Jahren hätte niemand gedacht, dass Kia hier mal vertreten sein wird.“ Ganz entspannt zeigt sich der 63-Jährige beim anschließenden Gespräch. Herr Schreyer, mit dem Kee wurde erstmals das neue „Gesicht“ von Kia gezeigt. Wie kam es dazu? Als ich vor knapp elf Jahren bei Kia anfing, war klar, dass wir den Autos eine Identität geben, einen Wiedererkennungswert schaffen müssen, und zwar so prägnant wie möglich. Es sollte ein starkes Familiengesicht sein, etwas, das die Autos in der Mitte zentriert, gleichzeitig aber unique und doch von Modell zu Modell variabel ist. So entstand die vielzitierte „Tiger Nose“, die Tigernase. Es hat mir ja damals niemand gesagt, was ich machen soll. Also habe ich getan, was ich für das Beste hielt. Und mit der Studie Kee haben wir sie dann der Öffentlichkeit präsentiert. Wie wirkt der Kee heute auf Sie? Meines Erachtens ist die gesamte Architektur noch sehr aktuell und passend. Vermutlich würde ich die Scheinwerfer heute kleiner machen (lacht). Es gibt ja mittlerweile ganz spannende Entwicklungen im Lichtdesign. Haben Sie zehn Jahre gebraucht, um vom Kee zum Stinger zu kommen? (lacht) Na ja, wir haben ja noch viele, viele andere Autos gemacht in der Zeit … Aber so ein Auto zu gestalten wie den Stinger, mit so fantastischen Proportionen und einer perfekten Balance zwischen Design, Style und Komfort – das braucht natürlich ein wenig Zeit. Es musste ein richtig geiles Auto werden, eines, das man unbedingt haben will. Ein Traum für einen jeden Auto-Designer. Es heißt oft, dass die Pläne für die nächsten fünf Jahre schon fertig gezeichnet sind. Ist das so? Nicht ganz! Aber es ist wichtig für mich, eine Vision zu haben, wo es in Zukunft mit dem Design hingeht. Was ich mir hier vornehme, ist die „Most Loved Brand“ zu entwickeln. Also ein Design zu schaffen, das die Menschen bewegt, sich das Auto zu kaufen, einfach, weil es gut aussieht.

DESIGN | IM GESPRÄCH BOLD THE MAGAZINE | 29 Jeder geht davon aus, dass in zehn Jahren alle Autos autonom fahren. Sie auch? Na ja, ob das überall funktioniert, ist fraglich. Natürlich wird das in China möglich sein, wo sie heute schon ganze Städte so planen und hochziehen, dass Fahrzeuge unbemannt fahren können. Aber mal abgesehen von den städtebaulichen Möglichkeiten: Vielleicht möchte ich ja selbst fahren? Zum Beispiel schöne Aussichtsstrecken wie im Engadin oder in Südtirol? Weil ich die großartige Landschaft genießen will, zusammen mit einem tollen Fahrerlebnis. Und auch mal anhalten will, um den Moment zu genießen. Das kann ein Computer, eine Maschine, nicht entscheiden – ihm fehlen die Gefühle. Manchmal müssen Entscheidungen getroffen werden wie: wo parke ich am besten oder wie fahre ich diese Adresse unkompliziert an? Das sind lebensbedingte Erfahrungswerte, die ein Computer nicht hat. Allerdings spricht nichts dagegen, mich vom Flughafen zum Hotel fahren zu lassen, oder von Stadt zu Stadt über die Autobahn, vor allem bei Stau, warum nicht? Aber ich möchte nicht von der Maschine abhängig sein, das wäre ja furchtbar! Wird diese neue Generation von Autos das Design verändern? Design wird von vielen Dingen beeinflusst, und Fortschritt wirkt sich immer aufs Design aus. Dennoch müssen nicht alle Fahrzeuge gleich werden, das muss doch individuell entscheidbar sein. Wichtig ist, dass ich einen proportionalen Raum habe, der mir zu Nutzen ist. Es kann doch trotzdem Zweisitzer, Viersitzer, Cabrios und Transportfahrzeuge geben. Diese Möglichkeiten müssen wir ausschöpfen; es kann doch nicht in der Gleichmacherei enden ... Meine Hoffnung ist, dass wir die Vielfalt bei den Autos, wie wir sie heute haben, auch in zehn Jahren noch haben werden, also auch bei Elektroautos. Sie haben in Korea VIP-Status, gelten als einer der größten Auto-Designer der Gegenwart und haben Werke geschaffen, die weltbekannt sind. Was möchten Sie noch erreichen? Da ich ja jetzt für alle drei Marken der Hyundai Motor Group (Hyundai, Kia, Genesis; Anm. d. Red.) zuständig bin, gibt es mehr als genug zu tun. Die gesamte Produktpalette muss kontinuierlich erweitert und ausgebaut werden. Genau das wollte ich immer machen, das ist ein ständiger Reiz, immer etwas Neues zu probieren, Richtungen vorzugeben, Identitäten zu kreieren. Mich reizen diese Herausforderungen sehr. Sonst könnte ich mich auch auf die Couch legen und Fernsehen schauen. Eine letzte Frage: Muss man in Korea Karaoke singen können? Man muss es nicht können, aber man muss mitmachen. Eine besondere Ehre ist es, wenn man als Erster singen darf. Allerdings singe ich sehr schlecht, deshalb nehme ich immer „Help“ von den Beatles, da ist die Melodie nicht so schwer. Die Kia Motors Corporation, gegründet 1944, ist der älteste Fahrzeughersteller Koreas und der neuntgrößte Automobilhersteller weltweit. Die Marke mit dem Slogan „The Power to Surprise“ vertreibt ihre Fahrzeuge in 180 Ländern, verfügt weltweit über 14 Automobilwerke und beschäftigt mehr als 51.000 Mitarbeiter. 2016 produzierte das Unternehmen, das seit 1998 zur Hyundai Motor Group gehört, über drei Millionen Fahrzeuge und erwirtschaftete einen Jahresumsatz von mehr als 45 Milliarden US-Dollar. Auf dem deutschen Markt ist die Marke durch Kia Motors Deutschland vertreten. 2016 erzielte Kia in Deutschland einen Marktanteil von 1,8 Prozent. Ebenfalls in Frankfurt ansässig ist Kia Motors Europe, die europäische Vertriebs- und Marketingorganisation des Automobilherstellers, die 30 Märkte betreut. Seit 2008 ist Kia in Europa kontinuierlich gewachsen und setzte hier 2016 rund 435.000 Einheiten ab. Mehr als 55 Prozent dieser Fahrzeuge stammen aus dem europäischen Kia-Werk in Zilina (Slowakei). WEITERE INFORMATIONEN: www. kia.de

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