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BOLD THE MAGAZINE No.33

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42 | BOLD THE MAGAZINE LIFESTYLE | REPORTAGE Mittagszeit in Neukölln. Ein Mann schaut aus dem Fenster seines Ladens, ein aufgemotzter Kombi bremst scharf in der Kurve, die junge Frau springt erschrocken vom Fahrrad. Sie schimpft – in einer Sprache, die der Mann am Fenster nicht versteht. „Verrückte Welt da draußen“, murmelt er kauend und beißt erneut in sein Sandwich. Jeden Tag geht es emsig zu vor der Tür mit den goldenen Absperrständern und Samtkordeln. Wer über die Schwelle, auf den kleinen roten Teppich tritt, findet sich im Kücük Istanbul wieder. Der Name „Klein-Istanbul“ erinnert vielmehr an Dönerladen oder Spätkauf, ist aber einer der exklusivsten Barbershops in ganz Berlin. Sein Besitzer ist der 45-jährige Hussein Seif, ein arabisch-palästinensischer Israeli, der die männliche Kopf- und Gesichtsbehaarung zu seiner Lebensaufgabe gemacht hat. Die Tür geht auf, kurz schwingt das durchdringende Getöse Neuköllns von draußen herein und übertönt den beruhigend summenden Bluessound im Laden. Der neue Kunde, ein junger Mann, trägt eine beige Leinenjacke und kurze Hosen, dazu Nike-Sportschuhe und natürlich Bart. Seif mustert ihn kurz und weiß sofort: „Hier sind Beratung und mein Rasiermesser gefragt.“ Der Bart des Kunden sei viel zu tief angesetzt. Das habe er damals in Jerusalem definitiv anders gelernt. Bartwuchs und -pflege waren dort schon immer ein Thema, und der wöchentliche Besuch beim Barbier um die Ecke gehörte zum Ritual, um sich für das Freitagsgebet frisch zu machen. Ein Handwerk mit langer Tradition, das Hussein Seif mit nach Berlin gebracht hat, als er seine Ausbildung beendete und Israel im Jahr 1996 verließ. Dass ihn seine Reise nach Neukölln führen und er „der Israeli mit den Scherenhänden“ sein würde, hätte der Familienvater nie gedacht. Mittlerweile ist das Kücük Istanbul mit seinem prägnanten roten Teppich nicht mehr aus Berlin hinwegzudenken. Den Laden hat der Barbier vor 20 Jahren übernommen und ihn zu einer Institution gemacht. Ein anderer Name als „Klein-Istanbul“ kommt für ihn nicht in Frage. Wie viele Bärte dort bisher schon gewaschen, in Form gebracht, geölt und einbalsamiert wurden, weiß er nicht: „Die Hauptsache ist, dass der Laden läuft und die Kunden zufrieden sind.“ Und das sind sie. Nicht wenige kommen wegen der besonderen Atmosphäre des selbsternannten Gentlemen’s Clubs: exklusiv und oldschool, ein Glas Whiskey und eine Zigarre bei gedämpftem Blues von einer Vinylplatte. Der kosmopolite Mann von heute gehe nicht mehr in Unisex-Salons, wo er zwischen Dauerwelle und Strähnchen der weiblichen Klientel geschoben wird. Diese Zeiten seien einfach vorbei. Bis in die späten siebziger Jahre waren getrennte Friseurbetriebe noch gang und gäbe, nahmen in den Achtzigern aber durch die Vereinheitlichungen des Friseurmarkts immer weiter ab. Auch die Männermode wurde androgyner und war in ihrer Ausstrahlung nicht mehr so männlich und kraftvoll definiert. „Dieser Trend erlebt in den letzten Jahren defi- nitiv eine Kehrtwende“, bestätigt Antonio Weinitschke, Art-Director des Zentralverbands des Deutschen Friseurhandwerks. Wie in vielen anderen Bereichen sei es eine Rückkehr zum Ursprung. Der Mann von heute möchte wieder maskuliner wirken und als Mann wahrgenommen werden. „Dazu gehört auch eine exklusive Behandlung unter Gleichgesinnten“, so Weinitschke. Einige Berufskollegen haben diese Marktlücke erkannt und seien auf das Pferd aufgesprungen. Daher sei die Anzahl an Barbershops in den letzten Jahren so sehr gestiegen – und mit ihr der Wandel in den Salonphilosophien: Männerzeitschriften und Männergespräche bei Whisky und Zigarre anstatt Unisex-Haarschnitt in 15 Minuten. „Seit 2015 wird sogar ein International Barber Award verliehen“, berichtet der Art- Director. Im Rahmen der Deutschen Meisterschaften der Friseure in Nürnberg treffe sich auch das Who-is-Who der Barberszene, um den besten Barbier Deutschlands zu küren. Nachdem in den letzten beiden Jahren der Mannheimer Marco Sailer (Best Barber Germany 2015) und der Augsburger Sezer Soylu (Best Barber Germany 2016) den Titel geholt hatten, darf sich seit Oktober auch Felix Heck aus Bietigheim in Baden „bester Barbier Deutschlands“ nennen. Im internationalen Vergleich musste der Bade jedoch vor dem Belgier Kevin Boon aus Wetteren weichen. Dieser setzte sich in den drei Kategorien Bart- Styling, Nassrasur mit dem Messer und klassische Männerhaarschnitte gegen die insgesamt 21 Profi-Barbiere aus 14 Nationen durch. Obwohl es nahe-

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