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BOLD THE MAGAZINE No.41

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SOPHISTICATED SPECIAL TOPIC: DESIGN | IM INTERVIEW: MATTHEW McCONAUGHEY | IRENE KUNG | MARILYN MONROE | COLLEEN HOOVER | KOH SAMUI | TORONTO | 800 KILOMETER EIS UND SCHNEE | LETZTER GRUSS: THE CRANBERRIES | PATRICK DEMPSEY

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36 // BOLD THE MAGAZINE INTERVIEW / THE CRANBERRIES BOLD sprach mit „The Cranberries“- Gitarrist Noel Hogan und Schlagzeuger Fergal Lawler über den schmerzlichen Tod von Dolores O`Riordan, über mentale Gesundheit und darüber, wie es für sie nun weitergeht. Warum haben Sie entschieden, nach dem Tod von Dolores O’Riordan posthum noch ein Cranberries-Album zu veröffentlichen? Noel Hogan: Wir hatten im Sommer 2017 schon mit der Arbeit daran begonnen. Als sich der Schock über Dolores Tod etwas gelegt hatte, fingen wir an, das bereits entstandene Material durchzugehen. Wir stellten fest, wie stark die Songs waren und fragten uns: Legen wir sie in die Schublade und vergessen sie, oder machen wir weiter? Nachdem wir mit Dolores‘ Familie und mit unserem Produzenten Stephen Street gesprochen hatten, beschlossen wir, das Album fertigzustellen. Es fühlte sich einfach richtig an. Wir haben keine alten Aufnahmen ausgegraben, sondern das sind alles neue Songs, die wir gemeinsam aufnehmen wollten. Hat Ihnen die Arbeit an „In The End“ geholfen, das Geschehene zu verarbeiten? Fergal Lawler: Ich denke schon. Es war wirklich schwer, vor allem während der ersten Tage im Studio. Es fühlte sich einfach merkwürdig an, und wir wussten nicht, wie wir das schaffen sollen. Aber wir wollten die Arbeit, die Dolores begonnen hatte, unbedingt zu Ende bringen. Es ist, als hätte sie uns ein Geschenk hinterlassen. Hogan: Das Album ist ein Tribut an Dolores und ein Abschiedsgruß an unsere Fans. Es gibt uns allen die Möglichkeit, damit abzuschließen. Wenn bisher unveröffentlichte Songs von einem Menschen erscheinen, der gerade verstorben ist, führt einem das immer vor Augen, wie schnell alles vorbei sein kann. Hogan: Das stimmt. Die ganze Erfahrung war für uns wie eine Therapie, aber man merkt auch, wie unbeständig alles ist. Wir sind alle nur für kurze Zeit auf diesem Planeten. Morgen könnte es das gewesen sein. Wir haben dadurch gelernt, alles etwas mehr wertzuschätzen und die Dinge nicht als selbstverständlich zu betrachten. Ich ertappte mich selbst manchmal dabei, dass ich dachte, wir werden alt – aber wenn jemand im Alter von nur 46 Jahren stirbt, merkst du auf einmal, dass das kein Alter ist. Manche werden doppelt so alt. Wie haben Sie von Dolores Tod erfahren? Hogan: Dolores Bruder rief mich an. Er sagte nur: „Dolores is gone“, und ich wusste zuerst gar nicht, was er meint. Bei Dolores hätte das alles Mögliche bedeuten können. Als ich schließlich verstand, was passiert war, fühlte es sich unwirklich an. Am Freitag hatte ich mehrmals mit ihr gesprochen, am Sonntag hatte sie uns noch gemailt – und am Montag war sie tot. Es machte einfach keinen Sinn. In meiner Erinnerung ist der Tag total verschwommen. Ich stand einfach unter Schock. Es war bekannt, dass Dolores an Depressionen und einer bipolaren Störung litt. Als sie starb, soll es ihr aber gut gegangen sein? Hogan: Ja, zwei Tage vor ihrem Tod kaufte sie sich noch Möbel für ihr neues Haus, das sie gerade baute. Unsere Unterhaltungen drehten sich darum, in der Zukunft zusammenzuarbeiten. Es war frustrierend, im Internet anschließend all die Spekulationen von Menschen zu lesen, die Dolores nie getroffen haben. Auch wenn die Untersuchungen zu dem Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen waren: Wir wussten, dass sie sich nicht selbst etwas angetan hatte. Es ging ihr gut und sie freute sich auf die Zukunft. Lawler: Einigen Songs auf „In The End“ hört man das an. Unsere Alben sind immer eine Mischung aus düsteren und fröhlichen Liedern gewesen, und das ist auch dieses Mal so. Auf „Lost“ und „In The End“ klingt Dolores sehr verletzlich, aber es gibt auch richtig optimistische Stücke. Ich denke, die Leute werden überrascht sein. Musikalisch erinnert das Album an Ihr Frühwerk. Eine bewusste Rückkehr? Hogan: Wir versuchten, die Musik dem Gesang anzupassen. Dolores nahm die Demos ja bei sich Zuhause auf. Ihre

INTERVIEW / THE CRANBERRIES BOLD THE MAGAZINE // 37 Stimme klingt dadurch sehr sanft, so wie bei unseren ersten Alben. Schon als wir die ersten Demos hörten, fühlten wir uns dadurch an unsere frühen Sachen erinnert. Gegründet haben Sie die Band 1989. Können Sie sich an Ihre erste Begegnung mit Dolores erinnern? Hogan: Wir hatten damals gerade erst angefangen, zusammen Musik zu machen, und suchten noch einen Sänger oder eine Sängerin. Ein Schulfreund schlug Dolores vor. An einem Sonntagnachmittag kam sie bei uns vorbei – ein kleines, leises Mädchen. Sie hatte ein Casio-Keyboard dabei und spielte ein paar Songs vor. Ihre Stimme war einfach einzigartig. Und sie wirkte dabei so natürlich, sie musste sich nicht mal groß bemühen. Lawler: Wir verstanden uns auf Anhieb. Dolores mochte die gleichen Bands wie wir: The Smith, The Cure, Depeche Mode und solche Sachen. Und sie hatte einen guten Humor. Genau wie wir baute sie gerne Mist. Sie hatte es in ihrem Leben nicht immer leicht. Als kleines Kind wurde sie missbraucht, später war sie magersüchtig. Nach dem Ende ihrer Ehe und dem Tod ihres Vaters wurde 2015 dann eine bipolare Störung diagnostiziert. Hat sie ihre Probleme mit Ihnen geteilt? Hogan: Die bipolare Störung entwickelte sich ja erst später. Im Laufe der letzten zehn Jahre merkten wir plötzlich, dass etwas nicht stimmte. Mal war Dolores seltsam, am nächsten Tag dann super gut drauf. Aber wir sind halt auch keine Ärzte. Ich glaube, sie hat lange Zeit eine Menge in sich begraben. Irgendwann kommen diese Geister zurück und verfolgen dich. Eines Tages erzählte sie uns dann davon. Aber wenn du so etwas plötzlich erfährst, was machst du dann mit dieser Information? Wir versuchten, Dolores so gut es geht zu unterstützen. Auch ihre Mutter und ihre Brüder waren immer für sie da. In Songs wie „Pressure“ und „Lost“ scheint sie viele der genannten Dinge zu verarbeiten. Wollte sie mit diesem Album abschließen? Hogan: Ja, ich glaube viele dieser Songs handeln von diesen Jahren – die bipolare Störung, ihr Alkoholproblem, ihre Scheidung. Sie hatte mit all dem abgeschlossen und blickt nach vorne. Lawler: Dolores hat sich nie Gedanken darüber gemacht, was die Leute über ihre Texte denken. Wenn sie etwas loswerden wollte, sagte sie es auch. Für sie war das ein Weg, diese Gefühle hinter sich zu lassen. Durch Künstler wie Chris Cornell, Chester Bennington und Keith Flint rückte mentale Gesundheit in der Musikbranche zuletzt in den Fokus. Was muss sich in unserer Gesellschaft ändern? Lawler: Ich halte Therapie für sehr wichtig. Ein großes Problem ist, dass einige Ärzte einfach Pillen verschreiben, und dann sind die Leute abhängig von ihren Tabletten. Natürlich ist es schwerer, Stunden um Stunden in Therapiesitzungen zu verbringen, um über alles zu reden. Aber es ist wichtig, dass die Leute, auch junge Kids, wissen, dass es keine Schwäche ist, über diese Dinge zu sprechen. Geteiltes Leid ist halbes Leid – an dem Sprichwort ist wirklich etwas dran. Wir müssen offener sein, niemand sollte sich schämen. Wie geht es für Sie und „The Cranberries“ nach diesem Album weiter? Hogan: Das wurden wir in letzter Zeit oft gefragt. Es war ein verrücktes Jahr, von Dolores Todestag bis zu diesem Album. Wir haben fast vergessen, darüber nachzudenken, was als Nächstes kommt. Ich denke, wir nehmen uns alle eine Auszeit und versuchen, das Ganze zu verarbeiten. Es wird wahrscheinlich Jahre dauern, bis wir darüber hinweg sind. Mit „The Cranberries“ war’s das aber, das haben wir bereits betont. Ich sehe „In The End“ als Ende dieses Kapitels in meinem Leben. Aber so alt sind wir ja auch noch nicht, und ich kann mir nur schwer vorstellen, nie wieder Musik zu machen. Wir machen das jetzt seit 30 Jahren. Es ist zu spät, um sich noch für einen Job in einer Bank zu bewerben … WEITERE INFORMATIONEN: www.cranberries.com

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