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BOLD THE MAGAZINE No.44

PRECIOUS KEIRA KNIGHTLEY | MARK FORSTER IM GESPRÄCH (TEIL 1) | DAVID LACHAPELLE | KARL LAGERFELD & PUMA | IN­TE­RI­EUR: UNIQUE AND HANDMADE | VON JAVA NACH BALI (TEIL 1) | MIT DEM BOOT DURCH IRLAND

INTERVIEW / KEIRA

INTERVIEW / KEIRA KNIGHTLEY BOLD THE MAGAZINE // 13 Miss Knightley, wie vertraut waren Sie mit der Geschichte, die in Ihrem neuen Film „Official Secrets“ erzählt wird? Eigentlich gar nicht, und das war es, was mich an diesem Projekt auf Anhieb interessierte. Als die Irak-Invasion stattfand, muss ich so um die 18 Jahre alt gewesen sein. Ich war ein politisch ziemlich engagierter Teenager und erinnere mich gut daran, wie wir damals demonstriert haben. Aber ich erinnere mich nicht daran, zu dieser Zeit etwas über Katharine Gun gehört zu haben. Dabei spielten sie beziehungsweise die Informationen, die sie öffentlich machte, eine Schlüsselrolle in diesem Puzzle, wie wir heute im Rückblick wissen. Unter anderem dank ihr gab es schließlich keine UN-Resolution. Höchste Zeit also, ihre Geschichte mal zu beleuchten. Vermutlich trafen Sie zur Vorbereitung die echte Katharine Gun? Ja, wir trafen uns im Vorfeld zum Mittagessen, und später kam sie mit ihrer Familie auch ans Set. Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich mich mit jemandem unterhielt, der tatsächlich aus juristischen Gründen einige Fragen nicht beantworten durfte. Denn sie ist immer noch durch den Official Secrets Act gebunden. Das machte mir sehr eindrücklich bewusst, wie ernst die Angelegenheit bis heute ist. Für manche Leute sind Whistleblower Verräter, für andere sind sie Helden. Wo stehen Sie? Sie meinen mit Blick auf Edward Snowden oder Chelsea Manning? Das Interessante ist: Ich weiß es nicht genau. Mir geht es da, auch nach der Auseinandersetzung mit Katharine Gun, kaum anders als sicherlich vielen Zuschauern: Ich kann beide Seiten verstehen. Es gibt Gesetze nicht ohne Grund, und wer sie bricht, muss zur Rechenschaft gezogen werden. Das gilt für Whistleblower, aber es gilt eben auch für Regierungen und Geheimdienste. Für mich gibt es in einem Fall wie dem von Katharine nicht bloß Schwarz und Weiß, auch wenn sie selbst das anders gesehen hat. Für sie war klar: Was damals in den Geheimdiensten vor sich ging, war illegal und führte zu 100.000 bis einer Millionen Toten. Wie erinnern Sie sich an die Ära von Tony Blair? Ich komme aus einer sehr linken Familie und erinnere mich noch genau daran, wie es war, als Blair zum Premierminister gewählt wurde. Die Leute feierten auf der Straße, meine Eltern eingeschlossen, denn nach 17 Jahren konservativer Regierungen lag plötzlich Hoffnung in der Luft. Und tatsächlich hat er Großes geleistet. Das Karfreitagsabkommen zwischen Irland und Großbritannien etwa war eine historische Leistung. Wer weiß, was gewesen wäre, wenn es nie zu dem Irakkrieg 2003 gekommen wäre. Aber Blairs dann einsetzender Fall, die um sich greifende Desillusionierung sind ebenfalls faszinierend. Und vielleicht auch eine logische Konsequenz, wenn jemand derart als Hoffnungsträger hochgejubelt wird und sich die Politik auf Einzelpersonen statt auf Themen konzentriert. Lassen Sie uns über Mut sprechen. Was zeichnet für Sie einen wirklich mutigen Menschen aus? Katharine Gun ist in jedem Fall ein Paradebeispiel dafür. Denn in meinen Augen ist jemand vor allem dann mutig, wenn er oder sie weiß, dass es sehr viel zu verlieren gibt, und diese eine Sache trotzdem durchzieht. Man kann ja von Whistleblowern halten, was man will, mutig sind sie aber in jedem Fall. Katharine kannte die Risiken, die sie auf sich nahm – und ist trotzdem ihrer Überzeugung gefolgt. Das finde ich enorm mutig, unabhängig davon, ob sie es anschließend bereut hat oder nicht. Haben Sie darüber nachgedacht, wie Sie sich verhalten hätten? Klar, aber wirklich sicher bin ich mir nicht. Wie wahrscheinlich jeder würde ich mir gerne einreden, dass ich auf der Seite der Wahrheit stünde. Doch wenn ich ehrlich bin, könnte es gut sein, dass ich doch erst einmal ans Überleben dächte. Wie vermutlich auch jeder. Denn leider leben wir ja dieser Tage in einer Gesellschaft, in der diejenigen, die die Wahrheit aussprechen, dafür meist nicht gefeiert werden. Egal ob in der Politik oder der Wirtschaft – Whistleblower haben es nie leicht. Scheinbar ist die Wahrheit nicht mehr unser höchstes Gut, obwohl wir unseren Kindern bis heute beibringen, dass es nichts Wichtigeres gibt, als die Wahrheit zu sagen. WEITERE INFORMATIONEN: www.officialsecretsfilm.co.uk

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