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BOLD THE MAGAZINE No.02

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66 | BOLD THE MAGAZINE Kunst & Kultur | Im geschäft Im Geschäft Innerstes nach auSSen Mia Rockt Autor: F. Reip Sängerin Mieze Katz trägt zum Interview im Séparée des Berliner Clubs .HBC ein rosafarbenes, mit glitzernden Lamellen verziertes Jäckchen, Gitarrist Andy Penn und Basser Bob Schütze sehen neben ihr fast ein wenig zu gemütlich aus. Vier Jahre sind vergangen seit „Willkommen im Club“, der letzten Platte von Mia., die lange dauerpräsent gewesen waren in Konzertsälen und Charts und die Anfang des Jahrtausends mit kesser Attitüde und cleveren, aber nie verkopften Songs als Speerspitze der „Berliner Schule“ zeigten, wie moderne deutsche Popmusik funktionieren kann. Und die auch erfahren mussten, welch bitteren Beigeschmack das Leben in der Öffentlichkeit haben kann: In Folge politischer Vereinnahmung flogen der Band anno 2003 die eigenen Worte um die Ohren, nachdem man für den Song „Was es ist“ als deutsch-tümelnd und nationalistisch verunglimpft worden war. Nichtsdestotrotz trat die Band ein Jahr später an, um Deutschland beim Eurovision Song Contest (der damals noch meist unter dem Namen „Grand Prix“ firmierte) zu vertreten – und scheiterte beim nationalen Vorausscheid. All das ist lange her, doch nun meldet sich die Band, zu der außerdem noch Schlagzeuger Gunnar Spies gehört, mit neuer Platte zurück: „Tacheles“ ist musikalisch noch bunter ausgefallen als seine Vorgänger – und sehr persönlich. Mieze erzählt: Jeder von uns hatte die Zeit genutzt, mal etwas anderes zu machen, als Musiker zu sein. Nach zwölf Jahren im Flow von Platten und Touren kamen wir auf die Idee mit der Pause. Von allen in der Band fand ich persönlich es dabei am wenigsten sinnvoll. Im Gegensatz zu den Jungs hab ich auch nie aufgehört zu schreiben, weil das für mich die beste Möglichkeit ist zu reflektieren. Doch in diesem Fall war es gut, dass wir eine Gruppe von Menschen mit ganz unterschiedlichen Sensoren sind. Insbesondere die Sensoren von Penn dürften in der jüngeren Vergangenheit deutlich aufs Privatleben ausgerichtet gewesen sein, ist er doch seit zwei Jahren Vater einer Tochter (deren Mutter im übrigen Juli-Sängerin Eva Briegel ist). Während der Kollege sesshaft wurde, verließ Mieze Berlin und machte sich auf Reisen, verbrachte längere Zeit in New York – und blieb letztlich doch bei sich: Ich dachte, ich könne die Stadt und alles, was hier an Konfrontationen auf mich wartete, einfach hinter mir lassen, habe aber gemerkt, dass man doch alles mit sich mitnimmt, egal wohin man geht. Angesprochen auf die erwähnten Konfrontationen, wirkt Mieze, die ansonsten auch mit 30plus noch souverän die Berliner Göre gibt, plötzlich verunsichert, weicht aus. Ihr Blick schweift nach draußen auf die gegenüberliegende Marienkirche, vielleicht bis zum Schlossplatz, wo einstmals das Berliner Schloss, zu Zeiten der DDR der Palast der Republik stand und nun die neue Heimat des Humboldt-Forums entsteht. Ein Sinnbild von Wandel, Ungewissheit – und Rückkehr zu Vertrautem. Schließlich sagt Mieze: Ich fühle mich jetzt kompletter mit all diesen Erfahrungen. Wenn man ins Dunkel blickt, wird die Sehnsucht noch größer, sich wieder umzudrehen und woanders hinzugucken. Es war an der Zeit, das Innerste nach außen zu kehren, die Fantasie sein zu lassen und sich um die Realität zu kümmern. Und in der stand nun wieder auf dem Plan, aus den neuen Erfahrungen Songs entstehen zu lassen. Andy Penn und Bob

BOLD THE MAGAZINE | 67 Foto: H. Flug Schütze ist die Freude daran, sich nun wieder auf die Musik mit Mia konzentrieren zu können, deutlich anzumerken: Aufgekratzt und mit leuchtenden Augen erzählen sie, dass sie in der Vorbereitung diesmal deutlich mehr Musik geschrieben haben denn je, wie sie Lyrics und Musik immer wieder neu kombinierten, teilweise Stunden mit der Suche nach dem perfekten Akkord verbrachten. Andy: Ich kann mich erinnern, dass wir bei „Fallschirm“ ewig nach dem richtigen Akkord gesucht haben. Wir wollten uns aber nicht hinsetzen und darauf warten, dass er von allein zu uns kommt – sondern haben dann wirklich jeden verdammten Akkord durchprobiert. Und Bob bringt es auf den Punkt: Ein lustiges Beispiel dafür, dass man manchmal weite Umwege geht, um dann doch wieder am Anfang anzukommen. Es macht Sinn, dass so viel Arbeit im Detail im Wunsch nach Klarheit unter einem Titel wie „Tacheles“ zusammengefasst wird – auf den die Band übrigens eher zufällig bei einem Shooting in der gleichnamigen alternativen Berliner Kulturinstitution stieß. Mieze: Wir arbeiten schon sehr lange mit dem Fotografen H. Flug zusammen. Nachdem etwa drei Viertel des Produktionsprozesses des Albums abgeschlossen waren, besuchte er uns im Studio, um uns eine Idee für ein Fotoshooting vorzustellen: „Ich will euch im Tacheles fotografieren und du, Mieze, trägst einen Fechtanzug!“ Da war ihm nicht bewusst, dass er gerade unseren Albumtitel genannt hatte – aber wir wussten es! Eine moralische Verpflichtung der Band gegenüber dem Ort, der seit Jahren vor dem Aus steht und dessen Zukunft Immobilienmakler und Stadt unter sich ausmachen, verspürt Mieze allerdings nicht. An ein Benefiz-Konzert ist nicht zu denken. Mieze: Nutzt die Gelegenheit, besucht die Ateliers der Künstler und hört euch ihre Geschichten an! Es ist einfach so: Die Rettungsaktionen sind durch, dieses Jahr wird das letzte Jahr des Tacheles sein. Mit Mia. ist anno 2012 also keine Politik mehr zu machen – während des Interviews tritt an anderer Stelle Christian Wulff von seinem Amt als Bundespräsi- dent zurück, die Nachricht dringt nicht vor bis ins .HBC Stattdessen führt das Gespräch zum Abschluss nochmal kurz zum Eurovision Song Contest, der dieser Tage auf dem Programm steht, und zum deutschen Teilnehmer Roman Lob. Mieze freut sich drauf: Ich find’s total gut, dass es Roman geworden ist – Bob und ich waren uns da von der ersten Sendung an sicher! Er ist ja auch so ein kleines Überraschungsei – erst denkt man sich, was kommt denn jetzt, dann ist er aber doch ein sehr geschmeidiger Typ. Ich bin gespannt, wie das „draußen“ ankommt. Und Bob ergänzt: Ich denke, das steht und fällt mit dem Song. Der Typ kann auf alle Fälle singen – aber was er singt, darauf kommt es ja letztlich an! Er weiß, wovon er spricht. Link zum Thema: www.miarockt.de

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