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BOLD THE MAGAZINE No.40

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NEW ELEGANCE SPECIAL TOPIC: FASHION | IM INTERVIEW: BEN MENDELSOHN | FOTOGRAF PETER ODEFEY | AUTOR HANK GREEN | AUF KUNSTTOUR IN JAPAN | 48 STUNDEN HONG KONG | LONDON | NEW SEAT TARRACO | NEW WATCHES: TIMELESS ELEGANCE

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36 // BOLD THE MAGAZINE TRAVEL / JAPAN In der Ankunftshalle des Kansai International Airports bei Osaka begrüßt mich Reiseführerin Mihoko Ishida strahlend: „Konnichiwa“, und mahnt gleich zur Eile: „Komm, dann kriegen wir den Zug noch.“ Der Bahnsteig ist voll von Menschen. Als der Regionalexpress einfährt, reihen sich die Fahrgäste an den Markierungen ein, vor denen exakt die Waggons halten und sich die Türen öffnen. Niemand drängt oder drängelt sich vor. Nacheinander betreten die Passagiere die Abteile und nehmen ihre reservierten Sitzplätze ein. Japanern eilt der Ruf voraus, höflich, freundlich und diszipliniert zu sein, und so habe ich sie bisher auf allen meinen Japan-Reisen erlebt. Der Zug fährt fast geräuschlos vorbei an unscheinbaren Vororten. Nach knapp einer Stunde sehe ich die ersten Hochhäuser, welche bald die Gleise verschatten, und erhöhte Straßen auf Betonstelzen. Wir haben Osaka erreicht, 2,7 Millionen Einwohner, Hafenstadt und Wirtschaftszentrum der Region Kansai. Osaka sei nach Tokio die interessanteste Metropole Japans, sagt Mihoko, und man könne exzellent in allen Preiskategorien essen, in Imbissen wie in Spitzenrestaurants. Für uns ist die Metropole auf dieser Reise nur Umsteigestation. 20 Minuten später sitzen wir im Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen, der uns in knapp zwei Stunden mit einem Durchschnittstempo von 270 km/h nach Okayama fährt. Die Reise führt durch dicht besiedeltes Flachland. Kleinstädte und Orte mit meist ein- bis zweigeschossigen Wohnhäusern, die Giebeldächer gedeckt mit traditionellen Tondachziegeln, die im Sonnenschein und nach Regen schwarz oder anthrazitfarben glänzen. Zwischen den Orten erstrecken sich landwirtschaftliche Flächen mit Getreide- und Reisanbau. Planmäßig erreichen wir die Hafenstadt Okayama, die mit ihren 700.000 Einwohnern an der Mündung des Asahi- Flusses in das Seto-Binnenmeer liegt. Züge in Japan sind ganz im Gegensatz zu denen der Deutschen Bahn hocheffizient und pünktlich. Nur eine Minute Verspätung im Jahresdurchschnitt beim Shinkansen kommt in Japan einem Skandal gleich und kann einen medienwirksam inszenierten Kotau der Chefetage vor den Kunden nach sich ziehen. Ist ein Shinkansen mehr als eine Minute zu spät, entschuldigt sich zumindest der Schaffner bei den Fahrgästen. Wir rollen unsere Koffer zum Hotel Granvia, das über eine Fußgängerpassage mit dem Bahnhof verbunden ist, checken schnell ein und springen ins nächste Taxi. Wir sind am Nachmittag gerade noch rechtzeitig angekommen, um uns den Kōraku-en, einen der drei schönsten Gärten Japans, noch bei Tageslicht anschauen zu können. Über dem weitläufigen Landschaftsgarten mit großen Rasenflächen und Teichen mit Bogenbrücken, Teehäusern und weiteren Gebäuden aus der Edo-Zeit (1603 – 1868), wie eine nō-Bühne für stilisiertes Tanztheater, thront die große Burg (Okayama-jō). Das letzte Sonnenlicht färbt den einstigen Fürstensitz mit 35 Mauertürmen und 21 Toren in ein dezentes Orangerot. 1597 fertiggestellt, wurde der Regentensitz nach 1868 zerstört, als die Macht des Tennō erneuert und die Shōgun-Herrschaft durch die Meji-Restauration abgeschafft wurde. Die Luftangriffe der Alliierten Ende des Zweiten Weltkriegs haben nicht mehr als die Steinmauern und den kleinen Mondschauturm übrig gelassen. 1966 wurde die Burg wieder aufgebaut. Familien picknicken auf Decken sitzend zwischen Schatten spendenden Bäumen, ein Hochzeitspaar, sie im edlen Kimono, er im Smoking, lässt sich auf einer Holzbrücke fotografieren, auf Bänken vor einer Teestube trinken Gäste cremig gerührten Matchatee. Der Kōraku-en wurde auf Geheiß des Fürsten Ikeda Tsunemasa angelegt und 1700 fertiggestellt. Bis 1884 war er der Spiel- und Lustgarten der regionalen Herrscher und ihrer Lieblingsdiener. Nach Einbruch der Dunkelheit wird der Garten illuminiert, wodurch er auch abends eine Aura längst vergangener Zeiten ausstrahlt. Am Abend kehren wir in ein japanisches Restaurant ein, das in einem angenehmen Viertel mit vielen Lokalen und Bars nur fünf Minuten vom Bahnhof und unserem Hotel entfernt liegt. In der Lobby ziehen wir unsere Schuhe aus und sperren sie in einen Spint. Eine Kellnerin weist uns ein Separee in der ersten Etage zu – es gibt in diesem Restaurant keinen offenen Essbereich.

TRAVEL / JAPAN BOLD THE MAGAZINE // 37 Es werden Köstlichkeiten wie Sashimi auf Eis serviert, wir trinken Bier und Sake dazu. Den Kellner ruft man mit einer Glocke herbei. In diese Art von Restaurants gingen gerne Angestellte nach der Arbeit, sagt Mihoko. Das Essen ist von ausgezeichneter Qualität, wobei das mit Abstand teuerste Gericht auf der Speisekarte umgerechnet gerade mal 20 Euro kostet. Japan ist kein Billigtourismusziel, aber bei Weitem nicht so teuer wie sein Ruf. Okayama ist für uns einer der Ausgangsorte zur Erkundung des Seto Binnenmeers, das an die Ufer der japanischen Hauptinseln Honshū, Shikoku und Kyūshū reicht und in dem sich 3.000 Inseln erheben, von denen rund 500 bewohnt sind. Wir besuchen vier Inseln, die besonders die Fukutake-Stiftung mit der Förderung von Kunstprojekten vor dem Vergessen bewahrt und für ihre Wiederbelebung gesorgt hat, nachdem die meisten jungen Menschen die Inseln verlassen hatten und nur wenige Alte zurückgeblieben waren. In der Region herrscht ganzjährig ein mediterranes Klima mit milden Temperaturen. Hier gibt es Olivenhaine und Mandarinenbäume, Reisfelder und Bambus. Setouchi mit dem Seto Binnenmeer und Gebirgen auf den Hauptinseln ist außerhalb Japans wenig bekannt. Erst allmählich wird der internationale Tourismus aufmerksam auf die Schönheiten und Reize der Region. Immerhin empfahl die „New York Times“ im Januar Setouchi als eines der zehn Top-Reiseziele in diesem Jahr. Die Kirschblüte zeigt sich hier im Frühjahr in besonderer Pracht, es gibt viele Wanderwege und Fahrradrouten. Auf dem Speiseplan stehen Sashimi und Austern, Udon-Nudeln und Kobe- Rind. Kunstfreunde sollten dieses Jahr die Region bereisen. Vom 27. April bis 4. November 2019 wird die Setouchi Triennale in drei Etappen an insgesamt 107 Tagen ausgerichtet. 12 Inseln sind daran beteiligt sowie die Häfen von Takamatsu und Uno bei Tamano. Das Kunstereignis findet in der Region alle drei Jahre statt. Auf der Insel Teshima, rund eine dreiviertel Stunde mit der Fähre vom Festland entfernt, reicht uns in einem kleinen Dorf eine alte Frau mit zwei Händen Mandarinen als Willkommensgruß. Neben ihrem Haus steht ein kleiner Shinto-Schrein, dessen Steinboden ihre Nachbarin gerade säubert. Sonst wirkt das Dorf wie verlassen, nur die gepflegten Gemüsegärten und Obstbäume zeugen von kultiviertem Leben und Selbstversorgung. Rund 800 Menschen lebten noch auf Teshima, die meisten seien alte Leute, sagt die 80-Jährige. Die Jungen seien lange fort, das Leben sei ihnen hier zu einseitig und beschwerlich gewesen, nur wenige wollten als Reisbauer oder Fischer arbeiten. Aber seitdem es so viel Kunst auf der Insel gebe, würden Besucher kommen. Das bedeutendste Kunstobjekt der Insel ist das Teshima Art Museum. Es besteht aus drei, harmonisch in die Landschaft integrierten Bauwerken und einer Kunstinstallation. Die Kunsthalle hat das Aussehen einer flach gewölbten, blendend weißen, dünnen Muschelschale mit zwei großen Öffnungen zum Himmel hin. Durch sie dringen Tageslicht ein, frische Luft und Regen. Es gibt weder Wände noch Fenster, lediglich einen offenen Zugang. Das Gebäude liegt in einer Wiese auf einer hohen Klippe am Meer. Ein kleiner Wald, durch den ein schmaler, geschwungener, weißer Weg zum Museum führt, schmiegt sich an einer Seite an die Muschelschale an. Zwei weitere Schalen gleicher Architektur beherbergen ein Café mit Museumsshop und einen Ticketcounter. Gegenüber diesem Komplex sind Reisfelder so terrassiert, dass der Eindruck entsteht, sie rutschten gleich ins Meer. Das Hauptgebäude ist bis auf die Kunstinstallation leer. Es sind Regentropfen, die auf dem glatten Betonboden kullern, und kleine Pfützen, die Wasserfiguren bilden. Der Besucher darf das Museum nur barfuß betreten, darf nicht sprechen und fotografieren und muss darauf achten, die auf dem Boden entstehenden und sich permanent wandelnden Regenkunstgebilde nicht zu zerstören. Die Installation von Rei Naito integriert mit den Gebäuden von Ryue Nishizawa Kunst, Architektur und Natur als drei zueinander gehörende und sich wechselseitig befruchtende Elemente. Das war das Anliegen der Fukutake Stiftung, die das Kunstwerk gefördert hat. Die Menschen, die das Museum besuchen, sollten

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