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BOLD THE MAGAZINE No.44

PRECIOUS KEIRA KNIGHTLEY | MARK FORSTER IM GESPRÄCH (TEIL 1) | DAVID LACHAPELLE | KARL LAGERFELD & PUMA | IN­TE­RI­EUR: UNIQUE AND HANDMADE | VON JAVA NACH BALI (TEIL 1) | MIT DEM BOOT DURCH IRLAND

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58 // BOLD THE MAGAZINE TRAVEL / INDONESIEN (TEIL 1)

TRAVEL / INDONESIEN (TEIL 1) BOLD THE MAGAZINE // 59 wenig belebte schmale Gassen, die auf rechteckige Plätze führen. Am Alun- Alun-Nor–Platz die 1773 im javanischen Stil fertiggestellte Moschee Masjid Agung mit ihrem dreigliedrigen Dach, südlich dieses Platzes dann ein Museum, in dem 23 Kutschen der Sultansfamilie zu sehen sind. Wie aus der Zeit gefallen wirken am Haupteingang die Wächter in farbigen Sarongs und der traditionellen Surjan- Jacke, unter der am Rücken der Krummdolch Kris hervorscheint. In mehreren Pavillons finden morgens unterschiedliche Kulturveranstaltungen statt. Ich erlebe ein stimmungsvolles Gamelankonzert in dem Srimanganti-Pavillon. In einem weiteren Pavillon sind Gamelan-Instrumente aus dem 16. Jahrhundert ausgestellt. Im Innern des Palasts gibt es ein mit Marmor, Lüstern und Spiegeln ausgestattetes Sekretariat und ein Pavillon, in dem festliche Bankette ausgerichtet wurden. Das 1755 gegründete Sultanat lebt bis heute fort. Der herrschende Sultan Hamengku Buwono X wurde nach dem Tod seines Vaters im März 1989 gekrönt. Gleichzeitig übt er das Amt des Gouverneurs der autonomen Sonderzone Yogyakarta mit rund 3,8 Millionen Einwohnern aus. Yogya gilt als einziges, relativ unabhängiges Sultanat Indonesiens. Faszinierend der Taman Sari südwestlich des Kraton. 1765 wurde das Wasserschloss nach acht Jahren Bauzeit fertiggestellt. Zu dem Komplex zählten ursprünglich 59 Gebäude mit schattigen Innenhöfen, Springbrunnen und Schwimmbecken. Unterirdische Fluchtwege verbanden den Palast mit dem Wasserschloss und konnten geflutet werden. Heute ist nur noch der restaurierte zentrale Badeplatz erhalten. Von einer Galerie in der dritten Etage des Turms konnten die drei Becken, je eines für den Sultan, Prinzen und Prinzessinnen und Mätressen, überblickt werden. Als ich das Wasserschloss besuche, waren wegen Wartungsarbeiten leider nur Pfützen in den Becken. Gut besucht ist der Badeplatz trotzdem: indonesische Familien mit kleinen Kindern, junge Männer und händchenhaltende Liebespaare. Am Morgen darauf heißt es Abschied nehmen von Yogya und ihren rund 1,6 Millionen Einwohnern, ein gemächlicher Roadtrip durch Zentral- und Ostjava Richtung Bali liegt vor mir. Obwohl eine Großstadt, hat sie doch einen dörflichen Charakter und ein so reiches Kulturangebot wie kaum eine andere Stadt in Indonesien. Als mein Fahrer die Peripherie erreicht und die ersten Reisfelder leuchtend grün an uns vorbeiziehen, weiß ich, dass ich wiederkehren werde, vielleicht zu einer Kunstbiennale, um einige Wochen in Yogya zu verbringen und tief in die Kultur einzutauchen. Mein nächstes Ziel ist Prambanan, Unesco-Weltkulturerbe, eine der größten hinduistischen Tempelanlagen Südostasiens, die sich rund 17 Kilometer nordöstlich von Yogya in einem großen Park befindet. Im 9. und 10. Jahrhundert erbaut, umfasste das Areal einst rund 200 Tempel. Ein Erdbeben im 16. Jahrhundert zerstörte große Teile des Heiligtums. Der Hauptbereich besteht heute aus drei Tempeln: der 47 Meter hohe Shiva-Tempel in der Mitte, rechts und links die Brahma, dem Schöpfer und Vishnu, dem Erhalter, gewidmete Tempel. Shiva ist der Zerstörer und im heutigen Indien der beliebteste und gefürchtetste Gott zugleich. Erst durch Zerstörung und vor allem Vernichtung des Bösen, so die Hindu-Mythologie, kann Neues und Gutes entstehen. Die drei Prambanan-Tempel bilden das Triumvirat der höchsten Hindugötter ab. Der Shiva-Tempel ist in drei Ebenen gegliedert. Die Basis repräsentiert den gemeinen Menschen, die Begierde und das Unreine. Der Bereich darüber hat Treppen, die zu den erhöhten Eingängen zum Inneren des Tempels führen. Dieses Zwischengeschoss steht für die Abkehr von weltlichem Besitz und das Streben nach Spiritualität. Der Oberbau mit einer Spitze spiegelt die göttliche Sphäre wider. Hunderte Türmchen, die um den Hauptkomplex standen, bilden heute ein Ruinenfeld, als symbolisiere es die Vergänglichkeit allen Seins. Am frühen Morgen, kurz nach Sonnenaufgang, erlebe ich die Atmosphäre dieses Kraftplatzes, wie die Javaner sagen würden, fast allein. Was für ein Glück – in Java habe ich nirgendwo Touristenmassen erlebt wie etwa zum Sonnenaufgang in Angkor Wat in Kambodscha. Auf dem Weg zum Borobudur-Tempel, dem größten buddhistischen Sakralbau der Welt, rund 40 Kilometer nordwestlich von Yogya, legen wir eine Kaffeepause ein. Wir trinken nicht irgendeinen Kaffee, sondern den Kopi Luwak, der hier als der beste Kaffee der Welt gepriesen und

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