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BOLD THE MAGAZINE No.44

PRECIOUS KEIRA KNIGHTLEY | MARK FORSTER IM GESPRÄCH (TEIL 1) | DAVID LACHAPELLE | KARL LAGERFELD & PUMA | IN­TE­RI­EUR: UNIQUE AND HANDMADE | VON JAVA NACH BALI (TEIL 1) | MIT DEM BOOT DURCH IRLAND

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60 // BOLD THE MAGAZINE TRAVEL / INDONESIEN (TEIL 1) eine der teuersten Kaffeesorten der Welt ist. Das Besondere an Kopi Luwak ist, dass die Kaffeebohnen den Verdauungstrakt des Fleckenmusangs, einer Katzenart, durchlaufen, ausgeschieden, gereinigt und geröstet werden. Dem Kaffee werden alle möglichen gesundheitsfördernden Stoffe und Eigenschaften nachgesagt. Wir fahren etwa eine Stunde weiter durch das Tal des Flusses Progo, der gemächlich mäandert durch eine traumhafte tropische Landschaft mit Reisfeldern und kleinen Dörfern, Bananen- und Ananasplantagen und Obstgärten, in denen zierliche Papaya- und mächtige Mangobäume, Durian- und Brotfruchtbäume stehen. Am späten Nachmittag erreichen wir Borobudur, ein weiteres Weltkulturerbe auf Java. Zwischen 750 und 840 errichtet, wurde das buddhistische Monument rund 20 Jahre später durch einen Ausbruch des Gunung (Vulkan) Merati verschüttet. Obwohl der quadratische Stufenbau mit einer Seitenlänge von 117 Metern in den Erzählungen und mündlichen Überlieferungen der Anwohner lebendig blieb, sollte es fast tausend Jahre dauern, bis die britischen Kolonialherren 1817 begannen, das Heiligtum freizulegen, gefolgt von den Holländen, die 1907 anfingen, die Anlage zu restaurieren. Doch erst 1973 wurde ein zehnjähriges Mammutprojekt zur Rettung Borobudurs initiiert, in dessen Verlauf auf einem 85 Hektar großen Gelände auch Dörfer umgesiedelt wurden. Heute ragt der riesige Stupa beeindruckend aus seinem grünen Umfeld heraus. Auf der höchsten Ebene blicken Buddhastatuen in Meditationspose in alle Himmelsrichtungen. Die Haltungen ihrer Hände symbolisieren bestimmte geistige Zustände. Ich habe dieses wundervolle Bauwerk zum Sonnenunter und -aufgang besucht. Zu diesen Tageszeiten erzeugte das Licht in dem historischen Park eine besonders mystische Stimmung, und ich wandelte auf den drei Ebenen, die der buddhistischen Vorstellung von der Dreiteilung des Kosmos entsprechen, Stufe um Stufe den Reliefs nach, die auf einer Länge von insgesamt fünf Kilometern Szenen aus dem Leben des Buddha abbilden. Tags darauf fahren wir aufs Dieng-Plateau. Auf dem Weg dorthin stoppen wir an einem Wochenmarkt, wo ich der einzige Weiße bin. Javaner zeigen mir stolz ihre Kampfhähne und lassen sich nicht davon abbringen, zwei Kontrahenten gegeneinander aufzuhetzen. Was ich sehe, ist mehr Spiel als Kampf, ich sollte wohl eine Ahnung davon erhalten, wie ein wirklicher Kampf vor um Wettgelder zockendem und die Hähne lautstark anfeuerndem Publikum verlaufen kann. Ziegenhirten buhlen um meine Aufmerksamkeit, ihre Tiere sind prächtig herausgeputzt. Umgeben von Tabak- und Teehändlern sitzt im Schneidersitz auf dem staubigen Boden ein Mann mittleren Alters, die Haare zerzaust, der Bart struppig, Hemd und Hose zerschlissen. Er wirkt fast abwesend, wie der große Python, der zusammengerollt vor ihm liegt und ein klägliches, trauriges Bild abgibt. In engen Gängen, teilweise provisorisch gegen die Sonne mit Stoff- und Plastikbahnen überdacht, drängen sich Kunden an Gemüse- und Obstständen, und die erhöht auf Podesten hockenden Verkäuferinnen mit Kopftuch und in bunten Hosen und langen, seitlich geschlitzten, knielangen Hemden bedienen die Kundschaft trotz des Andrangs in aller Ruhe. Wir fahren noch eine halbe Stunde an Reisfeldern vorbei und durchqueren kleine Dörfer, bis wir das verschlafene Städtchen Wonosobo auf 780 Meter Höhe erreichen. Von hier führen Serpentinen 25 Kilometer lang steil hinauf zum Dieng Plateau. An den Berghängen terrassierte Gemüsegärten und Teeplantagen. Beim Dorf Dieng auf 2.093 Meter über dem Meeresspiegel öffnet sich die Di Hyang, die „Zuflucht der Götter“ genannte, von Gemüsebauern bewirtschaftete Ebene im Krater eines lange verloschenen Vulkans. Auch hier wird Shiva, der Zerstörer, in einigen alten Tempeln verehrt. Archäologen gehen davon aus, dass es hier vom 7. bis 9. Jahrhundert hunderte solcher Tempel als Teil einer Klosteranlage und Stadt gab. Ganz in der Nähe steigen nach faulen Eiern riechende Schwefeldämpfe auf. Nicht weit entfernt ist die Luft wieder klar und frisch, und Wanderwege bieten bezaubernde Ausblicke auf zwei türkisfarbene Seen. Wir fahren nach Yogya zurück und übernachten im Hotel Phoenix. Früh morgens nehme ich den ersten Zug in Richtung Ost-Java. Auf beiden Seiten der Gleise kleine Ortschaften, Reisfelder, Gemüseund Obstgärten, im Hintergrund Gebirgszüge mit Vulkanen. Nach vier Stunden steige ich in Jombang aus, wo ein Fahrer auf mich wartet und mich in drei Stunden nach Tosari bringt. Morgens um vier Uhr

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