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BOLD THE MAGAZINE No.44

PRECIOUS KEIRA KNIGHTLEY | MARK FORSTER IM GESPRÄCH (TEIL 1) | DAVID LACHAPELLE | KARL LAGERFELD & PUMA | IN­TE­RI­EUR: UNIQUE AND HANDMADE | VON JAVA NACH BALI (TEIL 1) | MIT DEM BOOT DURCH IRLAND

DESIGN / REPORTAGE

DESIGN / REPORTAGE BOLD THE MAGAZINE // 69 gar Fliegenschisse. „Schon bei 140 km/h läuft so ein Roller längst nicht mehr geradeaus,“ weiß Wolle. Zwar ist so eine voll gepowerte Superlow ein echtes Schätzchen, aber kein Schnäppchen. Ist sie ausgerüstet mit allem, was gut und teuer ist und trägt die spezielle Rattenlackierung, kann der Preis um die 20.000 Euro liegen. Dann hat allerdings der Chef höchstselbst den Rostlook gepinselt. „Und alleine für den Auspuff aus lasergeschnittenem Metall, den wir wie alles bis auf die normale Lackierung selber herstellen, brauchen wir 50 Stunden Handarbeit,“ sagt Wolle mit Stolz in der Stimme. Das „Handwerk“ im besten Sinne durchzieht auch Wolles bisheriges Leben. Um in seinem Traumberuf als Rockbassist gekonnt die vier Saiten zu zupfen, schmiss er kurz vor dem Abschluss das Abi. Um sich fit zu halten, spielte er Handball. Um Geld zu verdienen (weil das mit dem Bass spielen doch nicht so hinhaute), verdingte er sich als Parkplatzwächter bei der Fachhochschule für Fahrzeugbau in Hamburg. Und weil ihm dort viel Langeweile begegnete, kaufte er sich eine ausgelutschte Vespa, die er auf dem Parkplatz nach der „learning-by-doing“-Regel demontierte, kapierte und rekonstruierte. „Bald darauf gab es einen regelrechten Stammtisch um das Parkplatzhäuschen, weil die Studenten zum Benzingespräch kamen. Später gaben sie ihre Zweiräder bei mir ab. 50 Mark für die Durchsicht plus nötige Teile …“, erinnert sich Wolle. Ein schlecht verheilter Handgelenkbruch verleidete ihm letztlich Handball- und Bassspielen – so blieb nur, aus dem Wespenhobby einen Beruf zu machen. Ein Jahr erlernte er das Schrauben, dann eröffnete er im Jahr 2000 in der Hamburger City den Acht-Quadratmeter-Laden „Scooter & Service“: „Da passten kaum zwei Kunden gleichzeitig rein.“ Doch der Laden lief so gut, dass er bald in einen größeren umziehen konnte – mit Hebebühne, Prüfstand und einem Angestellten. Trotz fehlender Ausbildung bekam er für seine Arbeit eine behördliche Ausnahmegenehmigung, absolvierte die Meisterprüfung in aller Kürze mit „sehr gut“ (ohne den Meisterbrief zu erhalten) und darf jetzt sogar selber ausbilden. Nach einem kurzen Versuch, eine Firma in Spanien zu eröffnen, kehrte er nach Deutschland zurück und schlug seine Zelte, die hauptsächlich aus einer großen Halle und viel Platz drumherum bestanden, 2017 in Bispingen auf. Mit Erfolg: Der Laden läuft. Bislang haben er und seine inzwischen vier Angestellten rund 50 Totalumbauten auf die Räder gestellt. Natürlich alle mit TÜV-Segen. Und weil Riehn nie nichts tun kann, steht in seiner Werkstatt schon ein halbfertiger Prototyp für seine nächste Stufe des Vespa-Tunings – mit einem um 80 Millimeter verlängerten Radstand, was hauptsächlich dem oft gescholtenen Geradeauslauf zugute kommen soll. Vielleicht traut sich dann jemand, mit so einer Vespa reloaded 2.0 auch 180 km/h zu fahren. WEITERE INFORMATIONEN: www.scooter-and-service.de

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