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BOLD THE MAGAZINE No.56

EXKLUSIV IM INTERVIEW: ADRIEN BRODY | WIE EIN PHÖNIX AUS DER ASCHE: SINGER-SONGWRITERIN NATALIE IMBRUGLIA | MEGATREND INDIVIDUALISIERUNG | DISPLACED: OLIVIER C. MÉRIEL | LAND ROVER DESIGN DIREKTOR ANDY WHEEL IM GESPRÄCH | „THE PORSCHE JUMP“

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34 // BOLD THE MAGAZINE TRAVEL / BAHRAIN Kaum jemand in der westlichen Welt nimmt Notiz von der kleinen Golfmonarchie Bahrain. Formel-1-Fans werden den Staat wegen seiner Rennstrecke einordnen können, nur eine weitere gibt es auf der arabischen Halbinsel in Abu Dhabi, Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate, auf Yas-Island mit angeschlossener Ferrari- World. Gäste von Kreuzfahrtschiffen gehen in Bahrain auf Landgang. Und die staatliche Fluggesellschaft Gulf Air bietet auf dem Weg nach Süd-, Südost- und Ostasien ein Stopover-Programm an. Der Großteil der Besucher Bahrains, allen voran Gäste aus Saudi Arabien, kommt aus der Region. Dabei lohnt es sich durchaus für Europäer, dem Archipel einen mehrtägigen Besuch abzustatten, denn die Golfstaaten mögen sich in vielerlei Hinsichten ähneln, doch hat jedes Land seine Eigenarten und Besonderheiten, wobei Bahrain den Besucher mitunter überrascht. Al-Bahrain bedeutet „die zwei Meere“. Am Meeresgrund an der Küste sprudelte früher aus zahlreichen Quellen Süßwasser, das sich mit Salzwasser mischte. Beste Voraussetzungen für Muschelbänke, in denen die schönsten Perlen gediehen. Ein Segen für den Staat wie die allmählich versiegenden Erdölquellen, die zwar bei weitem nicht so ergiebig waren und sind wie die anderer Golfstaaten, doch immer noch einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor darstellen. Und vor Kurzem wurde das größte Ölfeld in der Geschichte Bahrains entdeckt. Achtzig Milliarden Barrell, fast doppelt so viel wie die gesamten Ölreserven der USA, sollen dort lagern. Doch ob sie gefördert werden können, ist noch unklar. Die aktuellen ökonomischen Kennziffern – mehr als 100 Prozent Staatsverschuldung, Ölpreisverfall – sind schlecht. Trotzdem scheint Bahrain zumindest auf den ersten Blick nach wie vor ein wohlhabendes Handelsund Finanzzentrum zu sein. Äußere Anzeichen von Wirtschaftskrise sind nicht zu erkennen. Auf den Straßen vom Flughafen auf Muharraq Island zum Hotel Ritz Carlton mit seiner zwar künstlichen, aber schönen, feinsandigen Lagune westlich der Hauptstadt Manama sehe ich ein halbes Jahr vor der Ausbreitung der Corona-Pandemie fast ausnahmslos schwere SUVs, Limousinen und Sportwagen. Luxushotels wie das Ritz Carlton und Four Seasons sind nahezu ausgebucht, die Shoppingmalls gut besucht, kein Goldjuwelier im Souk ohne Kundschaft. Im Ausgehviertel Awadiya mit seinen originalgetreu restaurierten, alten arabischen Häuser bekommt man ohne Reservierung in den guten Restaurants keinen Platz. In und vor Cafés sitzen auffällig viele modisch gekleidete, arabische Frauen und rauchen Shisha. An ihnen schlendern junge Männer in Feierlaune und Familien mit Kindern vorbei, darunter verschleierte Frauen in Abayas, das sind schwarze, knöchellange Überkleider. Auch junge Männer tragen ihre traditionellen weißen Gewänder, andere geben sich modern in Jeans, Poloshirts und weißen Turnschuhen. In den belebten Fußgängerzonen des Viertels dominieren weder bei Frauen noch Männern der arabische oder westliche Kleidungsstil. Im Vergleich zu anderen Golfstaaten, in denen Alkohol vorwiegend in Luxushotels und wenigen dafür lizensierten Restaurants ausgeschenkt wird, kann der Gast in Bahrain fast überall in der Gastronomie Bier, Wein, Schnaps und Cocktails konsumieren. So reicht uns der Kellner auf der Terrasse in der ersten Etage des griechischen Restaurants Attic neben der Speisen- auch gleich die Weinkarte. In den angesagten Klubs und Diskotheken der Stadt wird zu den gleichen Rhythmen getanzt, gefeiert und getrunken wie in Klubs auf Ibiza oder Mykonos. Bands aus Ägypten und Südostasien spielen in den Nachtklubs der Hotels ab drei Sterne aufwärts. Auf der Arabischen Halbinsel reicht nur das Nachtleben Dubais an das Bahrains heran. Das kleine Königreich ist eine beliebte Wochenenddestination für die Nachbarn aus Saudi Arabien, welche die Shoppingmöglichkeiten und das westliche Nachtleben schätzen. An Donnerstagabenden sind Tausende hochglänzende Spritschleudern auf dem 1986 eröffneten King Fahd Causeway vom sittenstrengen Saudi Arabien auf dem Weg ins Freizeitparadies Bahrain. Das Bauwerk verläuft in langen Kurven auf Pfeilern und Stelzen gestützt 25 Kilometer über den Golf von Bahrain – eine faszinierende Kombination aus einem Damm und mehreren Brücken, die über dem Meer zu schweben scheint. Drei Millionen Autos rollen jährlich darüber. Ich gelange bis an die Grenze, wo Bahreini gerne in einem Aussichtsturm den Blick übers Meer auf ihren mächtigen Nachbarn genießen. Leider ist der Turm wegen Renovierung geschlossen, doch ist an diesem Tag die Luft nicht getrübt von

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