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BOLD THE MAGAZINE No.61

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EXKLUSIV IM INTERVIEW: EDDIE REDMAYNE | JOY CROOKES EXKLUSIV IM GESPRÄCH | GUCCI VALIGERIA MIT RYAN GOSLING | SHORT TIME IN PERTH | JOHANNES OERDING ÜBER SEIN NEUES ALBUM | WARUM ASTON MARTIN SICH NEU AUFSTELLT | POP ART MEETS STREET ART

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40 // BOLD THE MAGAZINE INTERVIEW / JOHANNES OERDING Seit Johannes Oerding 2009 auf der Bildfläche erschien, ging es für den Wahlhamburger stetig bergauf: Die Konzerthallen wurden immer größer, und nach Platz 4, Platz 3 und Platz 2 in den deutschen Albumcharts schaffte er es mit „Konturen“ (2019) erstmals an die Spitze. Inzwischen blickt er auf mehr als eine Million verkaufte Alben und Konzerttickets zurück. Auch im Fernsehen ist der 40-Jährige mittlerweile oft zu sehen: Zweimal war er Gastgeber der Grimme-prämierten Show „Sing meinen Song – das Tauschkonzert“, und 2021 gewann er als Coach von „The Voice of Germany“ aus dem Stand die 11. Staffel. Mit „Plan A“ veröffentlicht er im November sein siebtes Album – und zeigt sich darauf persönlicher als je zuvor. Im Interview spricht er über seinen Werdegang, die Beziehung zu seinem Vater und das Kennenlernen seiner Freundin Ina Müller. waren sehr musikalisch und haben mit uns viel gesungen und Musik gehört. Als ich später in der Schule sah, wie die Schülerbands umjubelt wurden, dachte ich: Das will ich auch. Im Pfadfinderlager habe ich dann Gitarre gespielt und hatte plötzlich eine Aufgabe, einen Job. Wenn ich gesungen habe, haben mir die Leute zugehört. Durch das Singen und Performen habe ich als eins von fünf Kindern auch meinen Platz innerhalb der Familie gesucht und gefunden. Herr Oerding, als Sie kürzlich für eine Million verkaufte Alben ausgezeichnet wurden, haben Sie nach eigener Aussage „... geheult wie ein Schlosshund“. Warum hat Sie das denn so bewegt? Mir wurde in dem Moment klar, was ich schon alles gemacht und erreicht habe. Dass wir von Jahr zu Jahr gewachsen sind und erfolgreicher wurden. Und ich hatte die Chance, das alles Revue passieren zu lassen. Bisher habe ich immer sehr schnell weitergemacht, bin von einem Projekt ins nächste und habe mir nie eine Auszeit gegönnt, wo man die Dinge mal genießt und sich selber und seinem Team auf die Schulter klopft. An dem Abend kam dann alles raus. Das war auf jeden Fall ein Highlight meiner Karriere und hat mich ganz schön mitgenommen und berührt. Im Titelsong Ihres neuen Albums „Plan A“ singen Sie: „Die Idee von Plan B ist, dass Plan A funktioniert“. Gab es für Sie tatsächlich nie eine realistische Alternative zur Musik? Wenn ich ehrlich bin: Nein. Selbst als Kind oder Jugendlicher habe ich insgeheim gewusst, dass ich auf der Bühne stehen und Musik machen sollte. Das hat mir einfach mehr Spaß gemacht als alles andere. Mehr Spaß als Fußball, mehr Spaß als Mädchen. Musik war immer meine große Liebe und Leidenschaft. Im Laufe der Jahre wurde ich von Journalisten oft gefragt, was ich machen würde, wenn ich kein Musiker wäre – und hatte keine Antwort. Ich habe zwar BWL studiert, aber das habe ich nur gemacht, um meine Eltern zu beruhigen. Auch heute wüsste ich nicht, was ich machen würde, wenn ich plötzlich nicht mehr singen könnte. Ich kann nichts anderes so gut. Sie sind in Geldern-Kapellen am Niederrhein aufgewachsen. Wann kam die Musik in Ihr Leben? Schon früh. Wir hatten immer ein Klavier und eine Gitarre rumzustehen. Meine Eltern Inwiefern? Ich glaube, das ist in vielen Familien so: Jeder sucht seine Rolle oder seinen Platz – gerade, wenn man viele Geschwister hat und alle ein Stück weit um Aufmerksamkeit und Applaus buhlen. Mein ältester Bruder war immer wahnsinnig schlau, der nächste war ein super Sportler, meine Schwester war kreativ und handwerklich begabt – und ich hatte einfach große Freude daran, Menschen zu unterhalten. Waren Sie damals der Klassenclown? Nein, ein Clown war ich nicht. Ich war aber Klassensprecher und auch Kapitän der Fußballmannschaft, also ich habe gerne die Rolle vorneweg eingenommen – das ist bis heute so. Ich war der, der beim Abiball oder Sommerfest was auf die Beine stellt und eine geile Show macht, habe moderiert oder gesungen. Als ich dann mit 17 meinen ersten Künstlervertrag unterschrieb, merkte ich: Das finden nicht nur meine Familie und Freunde gut, sondern auch Leute, die sich damit auskennen.

INTERVIEW / JOHANNES OERDING BOLD THE MAGAZINE // 41 Bis der Erfolg kam, hat es allerdings einige Jahre gedauert. Wie gehen Sie mit Niederschlägen und Enttäuschungen um? Heute denke ich darüber ganz anders als mit Anfang oder Mitte 20. Damals war ich ungeduldig und dachte: Das haut alles nicht hin, dauert viel zu lange, und irgendwann bin ich zu alt. Jetzt bin ich 40, blicke zurück und denke: Es war genau richtig, wie es gelaufen ist. Durch dieses langsame Wachstum habe ich alles ziemlich gut verarbeiten können. Alles mal gesehen zu haben – selber den Bus fahren, die Gitarren schleppen und aufbauen, selber Konzerte organisieren, zu wenig Gage bekommen, nicht wissen wovon man den nächsten Monat lebt – lässt mich heute sehr gut mit meinem Team arbeiten, weil ich weiß, dass jeder Job wichtig ist. Wenn man von Null auf 100 katapultiert wird, kann man, glaube ich, schnell zu einem Arschloch werden. Was war eigentlich Ihr Schlüssel zum Erfolg: Ausdauer, Talent oder Glück? Sie kennen die Antwort, oder? Von allem ein bisschen! Talent muss man natürlich haben. Man muss den Ton treffen, entweder weil man besonders gut singen kann, oder mit seinen Worten und Zeilen. Ein bisschen Glück gehört natürlich auch dazu, aber ich habe auch hart gearbeitet und war ehrgeizig. Ich bin sehr viele Extrameilen gegangen, von denen ich weiß, dass einige Kollegen um mich herum das nicht gemacht haben. Und ich habe versucht, das Glück zu forcieren, indem ich Wahrscheinlichkeiten erhöht habe. Ich habe nicht zwei Demo- CDs an Plattenfirmen verschickt, sondern 200, und wenn das nicht gereicht hat, noch mal mehr. Also: Es ist eine Mischung aus Talent, Glück, Ehrgeiz – und auch sich Opfern. Wenn ich etwas wirklich liebe, bin ich hochgradig belastbar und kann für das große Ganze auf vieles andere verzichten. Mit Ihrem letzten Album haben Sie das erste Mal Platz 1 der deutschen Charts erobert. Gewöhnt man sich an Erfolg? Ich glaube schon. Ich will mit meinem neuen Album natürlich nicht nur auf Platz 12 landen! Der Mensch gewöhnt sich ja im Allgemeinen sehr schnell an Gegebenheiten. Das habe ich kürzlich auch auf meiner Open Air Tour gemerkt, da haben wir teilweise vor Zehntausenden gespielt. Und wenn dann mal eine Show von vor drei Jahren dazwischen war, die wegen Corona verschoben wurde und bei der nur 2.000 oder 3.000 Leute waren, war das schon komisch. In solchen Momenten muss man sich daran erinnern, wo man herkommt. Ich bin nach wie vor sehr dankbar und demütig, dass ich so privilegiert meine Leidenschaft leben darf, und ich weiß, dass ich einer von wenigen bin, die das so können. „Plan A“ ist Ihr siebtes Album. Was war Ihnen dieses Mal wichtig? Ich wollte möglichst authentisch schreiben und mich dabei nicht wiederholen. Im Vergleich zum Vorgänger, wo ich mehr in die Breite geschaut habe und es eher um das Wir und um die Gesellschaft ging, ist „Plan A“ sehr viel zwischenmenschlicher geworden – weil das die Sachen sind, die mich die letzten zwei bis drei Jahre beschäftigt haben. Ich hatte viel Zeit für mich, für mein Umfeld, meinen Mikrokosmos sozusagen, so wie wir alle. Das war eine Zeit, in der man vieles in Frage gestellt hat. So entstanden Songs wie „Vielleicht“ oder „Porzellan“. Ich bin auch kürzlich 40 geworden, da blickt man zurück – und dann schrieb ich „Schnee von gestern“. So ein Album ist immer eine Momentaufnahme, und „Plan A“ spiegelt meine Pandemie-Situation ziemlich gut wider. Es gibt darauf einige sehr persönliche Songs. Zum Beispiel „Eins-zu-Eins-Gespräch“: Der Song ist ein gesprochener Brief und ein Dankeschön an Ihren Vater. Sind Sie beide nicht gut darin, Gefühle zu zeigen? Nein, nicht so richtig. Anderen gegenüber ja, aber zwischen uns ... „Hab dich lieb, Papa“ ist schwierig? Finde ich schon. Wobei auch das mit den Jahren besser geworden ist. Je älter mein Vater wird, desto entspannter wird er beim Kommunizieren und bei mir ist es ähnlich. Aber ich kann halt auch nicht aus meiner Haut und bin das Produkt meiner Eltern und meiner Erziehung. Zum Glück habe ich beide Seiten abbekommen – meine Mutter ist da etwas offener. Aber die Generation meines Vaters ist einfach eine andere: Da herrscht eher ein Tränen-vermeidendes Männlichkeitsbild vor.

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